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B12 - Gestorben wird im nächsten Leben
B12 - Gestorben wird im nächsten Leben
© 24 Bilder © Südkino Filmproduktion

Kritik: B12 - Gestorben wird im nächsten Leben (2018)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5

Die Bundesstraße 12 verläuft in Deutschland von Lindau über München und Passau nach Philippsreut, einer kleinen niederbayerischen Gemeinde an der tschechischen Grenze. "B12" wurde von dem Drehbuchautor und Filmemacher Christian Lerch inszeniert, der in den 90er- und 00er-Jahren vor allem als TV- und Theaterschauspieler in Erscheinung trat. So wirkte er bis heute unter anderem in erfolgreichen TV-Formaten wie "Der Bulle von Tölz", "Für alle Fälle Stefanie" oder "SOKO München" mit. Seit 2006 konzentriert sich der in Wasserburg am Inn geborene Lerch verstärkt auf Regie und Drehbuch. Gemeinsam mit Marcus H. Rosenmüller verfasste er etwa das Script zum Mundart-Kinofilm "Wer früher stirbt ist länger tot" (2006).

Christian Lerch taucht ganz tief in den Mikrokosmos seiner kauzigen, verschrobenen Figuren ein, die im B12 ein- und auskehren. Und sich untereinander über Gott und die Welt sowie die Themen des Lebens austauschen: über die Liebe, Krankheiten, die Bedeutung von Glück, den Tod. Aber da der Film in Bayern spielt, gehören auch Gespräche über "Deftiges" wie die Qualitätsmerkmale eines Saukopfs, von Weißwürsten oder eines zünftigen Kesselfleischessens mit dazu. Dabei unterhalten sich die (vornehmlich älteren männlichen) Gäste und Besucher des Rasthauses in Hohenlinden (Landkreis Ebersberg) auf Niederbayerisch.

Die Macher verzichteten in diesem Zusammenhang bewusst auf Untertitel, viele Inhalte aber sind auch für Menschen zu verstehen, die des Bayerischen nicht mächtig sind. Denn das Meiste ergibt sich aus dem Zusammenhang und ist universell verständlich. Vor allem wenn es um jene echte Lebensthemen geht, die verhandelt werden. Zudem macht das Lokalkolorit einen großen Reiz dieses mit Geduld und Einfühlungsvermögen realisierten Werks aus: dieses unverfälschte, authentische Einfangen der vielfältigen Wesens- und Charakterzüge der illustren Figurenschar, inklusive ihrer (sprachlichen) Gepflogenheiten und Eigenarten.

"B12" ist zudem ein Film, bei dem Glück und Trauer beziehungsweise Schwermut oft sehr nah beisammen liegen. Dies manifestiert sich häufig an der Figur des fast 90-jährigen Familienpatriarchen Lorenz, genannt "Lenz", der – so scheint immer wieder durch – mit seinen Mitmenschen früher wohl nicht selten arg ruppig umgesprungen ist. Und der sein Rasthaus einst mit eiserner Hand führte. Doch all dies ist lange her. Lenz ist mittlerweile schwer von seinem Schlaganfall gezeichnet, er liegt meist im Bett, ist halb blind und spricht fast unentwegt davon, endlich sterben zu wollen. Doch hier und da ist ihm die Freude vergangener Tage in kurzen, flüchtigen Momenten dann doch noch anzusehen. Nämlich dann, wenn er sich diebisch über eine schmackhafte Leberklößchensuppe freut oder mit am Tisch sitzt, wenn seine Bekannten im Rasthaus einen Saukopf zerlegen und untereinander aufteilen. So dass jeder, auch Lenz, ein Stück dieser kernig-rustikalen Mahlzeit abbekommt. Diese Szenen gehören, und das macht "B12" so besonders, mit zu den schönsten, emotionalsten im ganzen Film.

Fazit: Mit viel Geduld und Gefühl für die lebensechten, unverfälschten Figuren umgesetzte, humorvoll-melancholische Doku über einen skurrilen Mikrokosmos an einer Bundesstraße in Bayerns Süden.




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