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Ryuichi Sakamoto: Coda
Ryuichi Sakamoto: Coda
© Salzgeber & Co

Kritik: Ryuichi Sakamoto: Coda (2017)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5

In diesem Dokumentarfilm über den Musiker Ryuichi Sakamoto konzentriert sich Regisseur Stephen Nomura Schible überwiegend auf die Gegenwart. Der 1952 geborene Sakamoto nimmt darin nämlich ausführlich Stellung zu seiner kompositorischen Arbeit, seinem Engagement gegen Atomkraft, seinem Umgang mit der Krebserkrankung. Die Kamera blickt Sakamoto beim Komponieren über die Schulter. Das Publikum wird so auch Zeuge, wie ein neues Werk entsteht, in dem Sakamoto eine Fusion von Naturgeräuschen und Kunstmusik herstellt.

Immer wieder setzt sich der Künstler aber auch mit Melodien aus früheren - eigenen oder fremden – Werken auseinander, um sie weiterzuentwickeln oder als Inspiration zu nutzen. So taucht der Film auch in Sakamotos früheres Schaffen ein, mit viel Archivmaterial in Bild und Ton. Das filmische Vorgehen ist nicht chronologisch, sondern wirkt eher organisch, indem es sich punktuell mit Sakamoto in die Fragen und Interessen vertieft, die ihn beim Komponieren leiten. Beiläufig wird der Einsatz digitaler Technik gestreift. Im Zentrum des Interesses aber stehen die großen Themen des Lebens, die Sakamoto auch musikalisch beschäftigen, wie die Vergänglichkeit und das Verhältnis des Menschen zur Natur.

Wenn Sakamoto von seiner Faszination für die Klänge der Natur erzählt, für das Plätschern arktischen Schmelzwassers, das Konzert der Singvögel im Wald, dann scheinen Parallelen zum bildenden Künstler Andy Goldsworthy auf, der bereits zweimal vom Dokumentarfilmer Thomas Riedelsheimer porträtiert wurde. Sakamoto fügt den Naturklängen wie in einer Art Dialog eigene Kompositionen hinzu und Töne, die er einem Gefäß oder einem anderen Objekt entlockt. Ein Klavier, das auf den Fluten des Tsunami von 2011 schwamm und vom Wasser deformiert wurde, übt auf Sakamoto eine magische Anziehung aus, die ihn zu philosophischen Gedanken inspiriert. Dieser Dokumentarfilm bietet ein fesselndes, fundiertes Porträt eines Komponisten, der sich Anregungen und Ideen sowohl in der weiten Welt der Kunst, als auch in der Natur holt, um das Spannungsfeld von Mensch, Erde und Kosmos zu erkunden.

Fazit: Der Dokumentarfilm von Stephen Nomura Schible porträtiert den japanischen Musiker und Komponisten Ryuichi Sakamoto, indem er sich mit diesem im Gespräch in den Prozess seines künstlerischen Schaffens vertieft. Sakamoto erläutert anschaulich, woran er arbeitet, was ihn inspiriert und wie er sich mit dem Thema der Vergänglichkeit oder mit dem Verhältnis des Menschen zur Umwelt auseinandersetzt. Flankierende Hörproben aus den Werken lassen das Publikum unmittelbar teilhaben an Sakamotos Faszination für die tiefgründige Sprache der Musik und die Botschaften der unterschiedlichen Klänge, aus denen er sie zusammensetzt.




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