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Power to the children - Kinder an die Macht
Power to the children - Kinder an die Macht
© Backpack Films

Kritik: Power to the children - Kinder an die Macht (2018)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 3 / 5

Um die Kinderrechte ist es in so manchen ländlichen Gebieten Indiens nicht gut bestellt. Oft werden minderjährige Mädchen zwangsverheiratet. Viele Kinder wissen nicht, dass sie ein Recht auf Schulbildung haben. Indem sich Menschenrechts- und Umweltorganisationen für die Bildung örtlicher Kinderparlamente einsetzen und Aufklärungsarbeit leisten, fördern sie bei der jungen Generation ein soziales und ökologisches Bewusstsein. Wenn in südindischen Dörfern wie Chatti und Patti Kinder aufpassen, dass alle die Schule besuchen, wenn sie beim Bürgermeister wegen des Müllproblems vorstellig werden und Unterschriften gegen den Alkoholverkauf sammeln, treten sie für das Allgemeinwohl und eine bessere Zukunft ein. Die deutsche Filmemacherin Anna Kersting hat Treffen und Aktionen dörflicher Kinderparlamente beobachtet. Außerdem stellt sie die 15-jährige Premierministerin aller indischen Kinderparlamente vor.

Swarna Lakshmi kämpfte als blindes Mädchen für ihr Recht auf Inklusion, indem sie in Pondicherry beim Bürgermeister persönlich vorsprach und ihn überzeugte, dass sie unter Sehenden in der gleichen Klasse zurechtkommen werde. Swarna besucht im Film eine Versammlung auf dem Land, um mit behinderten Kindern zu sprechen, die Ausgrenzung erfahren haben. Sie berät mit ihnen konkrete Maßnahmen. Auch bei den Sitzungen der Kinderparlamente in Patti und Chatti geht es um ganz konkrete Probleme und Maßnahmen. Mit großem Eifer entwickeln die Kinder in Patti ein Theaterstück, das Alkoholismus und Gewalt in der Familie thematisiert. In Chatti sind sich die Kinder nicht zu schade, bei einer großen Müllsammelaktion die Straßen zu säubern.

Auf den Sitzungen geht es lebhaft und kontrovers zu. Es fällt stets auf, wie eifrig die Kinder sind, wie ernst sie ihre Funktion und ihre Verantwortung nehmen. Die Gemeinschaft stärkt ihnen den Rücken, das Wissen, dass sie eine Stimme haben, beflügelt sie. So werden sie in rückständigen, vom sozialen Fortschritt noch nicht erreichten Gebieten zu Pionieren einer neuen Ära basisdemokratischer Teilhabe. Manchmal hätte man sich vom Film, der mit kleinen Animationssequenzen garniert ist, ein paar Erklärungen, Nachfragen oder punktuelle Vertiefungen gewünscht. Aber indem er die Kinder beobachtet und selbst sprechen lässt, bleibt er lebensnah und lässt sich von ihrem Optimismus anstecken.

Fazit: Der Dokumentarfilm von Anna Kersting beobachtet die Arbeit zweier dörflicher Kinderparlamente in Südindien und stellt die 15-jährige blinde Premierministerin der Kinderparlamente Indiens vor. Mit großem Ernst und Eifer entwickeln die Kinder und Jugendlichen zwischen 12 und 17 Jahren bei ihren Sitzungen Pläne, um gegen die zum Teil gravierenden Missstände in ihrem Umfeld vorzugehen. Sie protestieren mit einem Theaterstück gegen trinkende Familienväter, werden bei Schulverweigerern vorstellig, schreiben Petitionen, pflanzen Bäume. Es stimmt zuversichtlich, diese Vertreter der jungen Generation als Motor für sozialen Fortschritt und Demokratie zu erleben.




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