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Flying Revolution: The Story of a Lifetime Battle
Flying Revolution: The Story of a Lifetime Battle
© Filmokratie

Kritik: Flying Revolution: The Story of a Lifetime Battle (2018)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 3 / 5

Eins kann man Vartan Bassil nicht absprechen: seine Glaubwürdigkeit, die Street Credibility, wie es so schön im Fachjargon heißt. Bassil, um den Regienovize Steve Won sein Debüt gebaut hat, hat sich von der Straße ganz nach oben gearbeitet. Als Flüchtlingskind in Berlin-Wedding hatte er völlig andere Voraussetzungen als mancher Studentenrapper oder Benztown-B-Boy. Obwohl er längst woanders wohnt, spricht Bassil auch heute noch so, wie ihm der Schnabel in seinem Kiez gewachsen ist. Und wenn er mit Benny Kimoto vor seiner alten Stamm-Dönerbude steht, zollen die Kids den beiden Respekt.

Respekt ist das zentrale Thema dieses Dokumentarfilms und für Bassil ein persönliches Dilemma. Denn während die gesellschaftliche Anerkennung mit jedem Erfolg und mit der Versöhnung aus Straßen- und Hochkultur steigt, sinkt der Rückhalt in der Szene. Das ist auch im Hip-Hop nicht anders. Mit dem Erfolg kommen Neider und diejenigen, die den Erfolgreichen den Ausverkauf vorwerfen. Dieses Dilemma fängt Steve Won wunderbar ein. Hier gewinnt sein Film durch seine authentischen Protagonisten: dem vor positiver Energie überschwappenden Benny Kimoto und dem stets nachdenklichen, teils tief berührten Vartan Bassil.

"Flying Revolution" erzählt zwei Geschichten. Auf der ersten Ebene zeichnet der Film den "lifetime battle" des Untertitels nach, den lebenslangen Kampf der Breakdancer um Erfolg und Anerkennung von den ersten Gehversuchen bis zu den weltweit aufgeführten Bühnenshows. Nicht jeder ist ihn so konsequent zu Ende gegangen wie Vartan Bassil, Benny Kimoto und Michael "Mikel" Rosemann. Als Rahmen dient die Vorbereitung ihrer jüngsten Bühnenproduktion, die von den Proben bis zur Premiere als Countdown zwischen die Historie der Breakdance-Crew geschoben wird.

In seinen besten Momenten ist "Flying Revolution" eine mitreißende Aufsteigerstory und ein pulsierendes Zeitdokument deutscher Musikgeschichte. Die Körper fliegen scheinbar schwerelos, der Beat wummert. Dann bleibt kein Auge trocken, dann wippt jeder im Takt – egal ob neue Bilder oder alte Archivaufnahmen in den Kinosaal flimmern. In seinen schlechten Momenten stellt der Film zu wenige Fragen, verkommt zu einem unkritischen Werbevideo für seine Protagonisten, ihre Shows und ihren Hauptsponsor. Da die guten Momente überwiegen, kann man für einen musikgetränkten, faszinierend akrobatischen Kinoabend aber getrost darüber hinwegsehen.

Fazit: "Flying Revolution: The Story of a Lifetime Battle" ist ein pulsierendes Stück deutscher Musik- und Hip-Hop-Geschichte. Regiedebütant Steve Won dokumentiert eine mitreißende Aufsteigergeschichte, die allerdings ein paar kritischere Nachfragen vertragen hätte und hin und wieder etwas zu sehr wie ein Werbevideo anmutet.




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