VG-Wort

oder

Kritik: Um Gottes Willen (2018)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 3 / 5

Mit der Komödie "Um Gottes Willen" liefert der 1968 in Rom geborene Edoardo Maria Falcone sein Regiedebüt; zu seinen Vorbildern zählt er seinen Landsmann Mario Monicelli ("Casanova '70") – und so greift er dessen kritischen und zugleich ironischen Blick auf die handelnden Personen und deren Umfeld auf. Das Drehbuch, das Falcone zusammen mit Marco Martani verfasst hat, erzählt von dem selbstgefällig-arroganten Herzchirurgen Tommaso, dessen Leben ins Wanken gerät, als sein Sohn Andrea ihm mitteilt, Priester werden zu wollen.

Der Moment, in dem der ganz und gar atheistische Tommaso mit dieser überraschenden Verkündung konfrontiert wird, wird auf visueller Ebene mit diversen Assoziationen verknüpft, welche von der leidenden Johanna von Orléans bis zum strahlenden Terence Hill im Priestergewand reichen. Auch im weiteren Verlauf wartet der Film mit etlichen originellen Ideen auf – vor allem in seinen Dialogen. Marco Giallini ("Vergib uns unsere Schuld") darf in der Hauptrolle zahlreiche lakonische one-liner von sich geben und entwickelt mit seinem Co-Star und Leinwand-Kontrahenten Alessandro Gassman ("Transporter – The Mission", "Stilles Chaos") eine stimmige Chemie. Gassman interpretiert den katholischen Geistlichen Don Pietro, der Andrea in seinem Vorhaben unterstützt, als einnehmende Persönlichkeit und überaus engagierten Menschen.

Neben dem Konflikt zwischen Tommaso und Don Pietro widmet sich "Um Gottes Willen" auch der kriselnden Ehe von Tommaso und Carla. Laura Morante ("Das Zimmer meines Sohnes") verkörpert die frustrierte Gattin mit spürbarer Spielfreude und lässt uns die Entwicklung ihrer Figur miterleben. Ebenso amüsant ist der Einfluss, den die Entscheidung von Andrea auf das Leben seiner Schwester Bianca hat – wenn diese sich etwa Franco Zeffirellis "Jesus von Nazareth" ansieht. In einigen Passagen hätte das Werk noch weiter in die Tiefe gehen können; insgesamt bietet es jedoch gute Unterhaltung.

Fazit: Eine Komödie mit witzigen Einfällen und einigen herrlichen Dialogen. Das Ensemble um Marco Giallini, Alessandro Gassman und Laura Morante spielt erfrischend.




Spielfilm.de-Mitglied werden oder einloggen.