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Die Fischerin vom Bodensee
Die Fischerin vom Bodensee
© Mobiles Kino GmbH

Kritik: Die Fischerin vom Bodensee (1956)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 2 / 5

Harald Reinls "Die Fischerin vom Bodensee" feierte am 24. Juli 1956 in Stuttgart Premiere. Bei seiner Wiederaufführung sechs Jahrzehnte später sind die restaurierten und digitalisierten Aufnahmen immer noch so prächtig wie die wie Stimmung, die sich lediglich aus dramaturgischen Gründen zwischendurch eintrübt. Aus heutiger Sicht ziehen aber vor allem bei den Geschlechterrollen dunkle Gewitterwolken auf.

Reinl, während des Zweiten Weltkriegs Leni Riefenstahls Regieassistent, widmete sich in den Wirtschaftswunderjahren zunächst dem Heimatfilm, später Karl-May- und Edgar-Wallace-Verfilmungen und Adaptionen von Jerry-Cotton-Romanen. Kriegsbeschönigende Tendenzen, die Reinls Werken "So lange du lebst" (1955), "U 47 – Kapitänsleutnant Prien" (1958) und "Die grünen Teufel von Monte Cassino" (1958) vorgeworfen wurden, sind in " Die Fischerin vom Bodensee" nicht zu finden, sein naiver Erzählstil hingegen schon.

Das Universum im Dreiländereck, das Karl Heinz Busse und Reinl in ihrem Drehbuch entwerfen, ist eine romantisch verklärte Idylle. Ein Heile-Welt-Szenario, in der die alte Männergeneration unter dem Pantoffel ihrer resoluten Ehefrauen und fürsorgenden Töchter steht und ihre kleinen Freuden im monatlichen Stammtisch sucht. Doch der Schein trügt. Denn die alten Deppen bekommen nur am Anfang ihr Fett weg, sagen am Ende aber, wo es langgeht. Bei den Jungen nimmt sich Fischzüchter Hans Bruckberger (Gerhard Riedmann), energisch was er will. Titelheldin Maria Gassl (Marianne Hold) leistet nur anfänglich Widerstand und erliegt am Ende Hans' mehr als fragwürdigem Charme aus finanzieller Zuwendung, Hartnäckigkeit, Aufdringlichkeit und Nachstellung.

Wer in Reinls Mischung aus Romanze und Schwank Mundart erwartet, wird enttäuscht. Während die in Ostpreußen geborene Hauptdarstellerin Marianne Hold keinerlei Dialekt erkennen lässt, dringt bei den deutschen Bruckbergers stets eine Klangfärbung durch, die nichts mit dem Bodensee zu tun hat. Schließlich hat Reinl deren Rollen mit den Wienern Gerhard Riedmann und Annie Rosar sowie dem Münchner Joe Stöckel prominent besetzt.

Lieder wie "Im Himmel gibt’s kein Bier", kleine Gags des vorlauten Loisl (Loisl Blank) und der frechen Zwillinge Anny (Isa Günther) und Fanny (Jutta Günther) sowie manch pointierter Dialog heben die Stimmung. Am Ende können diese aber nicht über das zwar routinierte, aber auch einfallslose Spiel, die aufgesetzte Rührseligkeit und die kolportagehaften Züge der vorhersehbaren Handlung hinwegtäuschen.

Fazit: Mit "Die Fischerin vom Bodensee" kehrt ein Klassiker des Heimatfilms in wunderschön restaurierter Fassung auf die Leinwand zurück. Aus heutiger Sicht wirkt vor allem das Rollenbild reichlich altbacken. Die Bilder sind brillant, die Stimmung ist ausgelassen. Über schauspielerische und erzählerische Schwächen täuscht das aber nicht hinweg.




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