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Zu Hause ist es am schönsten
Zu Hause ist es am schönsten
© Central Film © Wild Bunch

Kritik: Zuhause ist es am schönsten (2018)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5

In "Zu Hause ist es am schönsten" widmet sich der international tätige Filmemacher Gabriele Muccino ("Ein letzter Kuss", "Das Streben nach Glück") einer italienischen Großfamilie. Die Geschichte beginnt in einem heiter-vergnüglichen Tonfall, wenn allmählich alle Angehörigen – Mütter und Väter, Töchter und Söhne, (Halb-)Geschwister, Enkelkinder, Onkel und Tanten, Cousins und Cousinen, Nichten und Neffen, Schwägerinnen und Schwäger, Verwandte ersten und zweiten Grades, ehemalige, aktuelle sowie potenzielle neue Lebenspartnerinnen und -partner – eingeführt werden und sich auf der malerischen Insel Ischia versammeln. Mit kleinen Spitzen, Andeutungen, Blicken und Gesten lässt Muccino, der das Skript zusammen mit Paolo Costella und Sabrina Impacciatore verfasst hat, im ersten Akt bereits erkennen, dass in dieser Sippe so manches im Argen liegt – von Eifersucht und Untreue über Geldsorgen bis hin zu den Leiden des Alters. Dennoch überwiegt zunächst die Leichtigkeit, die auch im gemeinschaftlichen Gesang ihren Ausdruck findet.

Als sich herausstellt, dass die Familie wetterbedingt länger beieinander sein wird als vorgesehen, blitzt das Komödiantische zwar weiterhin in herrlichen Momenten und kurzen Dialogzeilen auf ("Willst du mit essen gehen?" - "Die essen hier ständig!"); allerdings treten die zahlreichen Konflikte zwischen den Figuren durch die erzwungene Nähe alsbald eklatanter zutage und führen zu Szenen, die in ihrer Dramatik selbst Tennessee Williams in Schrecken versetzt hätten. Muccino und sein durchweg überzeugendes Ensemble lassen es zu, dass die handelnden Personen nicht immer sympathisch daherkommen – was den Film entschieden interessanter als viele Tragikomödien mit ähnlichem Thema macht, in denen es oft allzu klare Einteilungen in Gut und Böse gibt. Kaum eine Figur belügt sich oder ihr Umfeld hier nicht selbst; kaum ein Familienmitglied hadert nicht mit dem eigenen Schicksal. Am Ende der Erzählung stehen konsequenterweise keine einfachen Lösungen für sämtliche Probleme; es bleibt ambivalent und kompliziert.

"Zu Hause ist es am schönsten" ist eine eindrückliche Gruppenleistung. Gewiss fällt die Zeichnung der einzelnen Figuren eher stereotyp aus – das Gesamtbild ist jedoch faszinierend. Hinzu kommen die wunderbaren Aufnahmen der Landschaft von Kameramann Shane Hurlbut ("Into the Blue"), welche in gelungenem Kontrast zu der Hässlichkeit der vielen Vorwürfe, Anschuldigungen und Lügen stehen.

Fazit: Witzig und bitter, ehrlich und lebendig. Das Porträt einer Großfamilie ist gut geschrieben, gekonnt inszeniert und wird von der beachtlichen Schauspiel-Riege glaubhaft dargeboten.




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