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In the Middle of the River
In the Middle of the River
© farbfilm verleih

Kritik: In the Middle of the River (2018)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 3 / 5

In diesem wuchtigen Drama haben viele Menschen eine große Wut, aber jeder ist mit ihr allein. Regisseur und Drehbuchautor Damian John Harper, der in München Film studiert hat, schildert in dieser deutsch-amerikanischen Koproduktion ein Milieu der sozial Abgehängten in der amerikanischen Provinz. Seine Darsteller sind, mit Ausnahme von Max Thayer und einer weiteren Person, Laien, die in dieser Gegend in New Mexico wohnen. Armut, Gewalt, Alkoholismus oder Drogensucht gibt es in jeder Familie, ob sie nun im Indianerreservat oder an dessen Rand lebt. Zu allem Überfluss müssen sich Indianer und Mexikaner auch noch mit ethnischer Diskriminierung herumschlagen.

Gabriel betrieb hier einst ein Drogenlabor, das in Flammen aufging. Den Dialogen ist nach und nach zu entnehmen, dass die meisten seiner Angehörigen wie er selbst bereits einen Alkohol- oder Drogenentzug hinter sich haben. Der Teenager-Bruder Ishmael wird von seinen Freunden angestachelt, mit der Waffe in einen rassistisch motivierten Kampf gegen andere Jugendliche zu ziehen. Dana reagiert ihre Wut auf dieses Leben als Amateurboxerin ab. Das Gespräch liegt all diesen Menschen nicht, sie blocken es ab oder schreien sich genervt an. Der Sog der Zerstörung zieht Gabriel mächtig an. Und doch gibt es auch eine Strömung des Zusammenhalts, der Verbundenheit, und mag sie noch so störungsanfällig sein. Die Großmutter, Dana, ein Onkel vertreten die Stimme der Vernunft, und Gabriel erfährt, dass sein Großvater im Vietnamkrieg ebenfalls schlimme Dinge erlebt hat.

Es gelingt dem Regisseur, die zwiespältigen Beziehungen und den permanenten Teufelskreis von verletzten Gefühlen, Hilflosigkeit und destruktivem Handeln aufzuzeigen. Ganz traditionell aber sucht er die Lösung für strukturelle Probleme darin, dass sich die Menschen einen Ruck geben. Das wirkt reichlich naiv, auch angesichts der allgemeinen Aggressivität, die sich immer wieder explosiv entlädt. Die Dialoge wirken fahrig, die Inszenierung mit den Laiendarstellern holprig. Die Handkamera huscht ultranervös zwischen den Protagonisten herum, um ihr Getriebensein, ihre Haltlosigkeit spürbar werden zu lassen. Aber dieses sehr anstrengende Stilmittel steht im Grunde auch für eine filmische Weigerung, sich vertrauensvoll in das Geschehen und die Charaktere zu vertiefen.

Fazit: Regisseur Damian John Harper schildert in seinem wuchtigen Sozialdrama ein Milieu am Rande der amerikanischen Gesellschaft, in dem täglich ums Überleben gekämpft wird. Als ein junger, traumatisierter Irak-Veteran zu seiner Familie in New Mexico zurückkehrt, um den Tod seiner Schwester aufzuklären, droht er im kollektiven Strudel von Gewalt, Sucht und Perspektivlosigkeit zu versinken. Die fahrige Handkamera verstärkt die Atmosphäre aggressiver Unberechenbarkeit, die das Spiel der überwiegend von Laien dargestellten Charaktere erzeugt. Die exzessive Verwendung dieses Stilmittels verweist jedoch auch auf eine Ungeduld des filmischen Blicks.




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