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Lebenszeichen - Jüdischsein in Berlin
Lebenszeichen - Jüdischsein in Berlin
© Salzgeber & Co

Kritik: Lebenszeichen - Jüdischsein in Berlin (2017)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 5 / 5

"Lebenszeichen" ist nicht der erste Film, für den sich Regisseurin und Kunsthistorikerin Alexa Karolinski mit den Themen Holocaust und Erinnerungskultur beschäftigte. Schon 2012 drehte sich ihr Film "Oma und Bella" um zwei Holocaust-Überlende. "Oma und Bella" war der erste Teil einer Trilogie, die sich mit jüdischer Identität und jüdischem Leben in Deutschland befasst. "Lebenszeichen" ist der zweite Teil. Für diesen Film sprach Karolinksi mit Freunden, Wissenschaftlern, Familienmitgliedern und Zufallsbegegnungen auf der Straße.

Zwei Generationen liegt der Holocaust mittlerweile für die meisten jüdischen Familien zurück. Schnell wird klar, dass in scheinbar unbedeutenden Momenten und Situationen, die Gedanken daran im Alltag doch immer wieder aufflammen – bei den Zeitzeugen selbst aber auch bei ihren Kindern, Enkeln und Ur-Enkeln. Eine Freundin der Regisseurin, circa Mitte 30, erzählt z.B. davon, dass sie die Inschrift eines Torbogens in Berlin an die "Arbeit macht frei"- Toraufschrift einiger NS- Konzentrationslager denken lässt. Und dass sie nicht mehr dort vorbeigehen kann, ohne dass ihr die Gedanken an die Shoa in den Kopf schießen.

Die Mutter von Karolinski erinnert an einen Vorfall aus der Schulzeit ihrer Tochter. Ein Lehrer stellte der Klasse einst die Frage, ob man den Schulausflug lieber mit Schlittschuhlaufen oder einem Besuch im KZ Sachsenhausen verbringen wolle. Welch Unverständnis diese eine, eher harmlos wirkende Frage bei Karolinskis Mutter auslöste, fängt der Film auf intensive Weise ein – man erkennt noch heute die Wut darüber in ihrem Gesichtsausdruck, wenn sie über das Ereignis spricht.

Überhaupt geht Karolinksi in ihrer essayistischen Dokumentation mit viel Feingefühl und erzählerischer Ruhe vor. Sie beobachtet die Gesprächspartner im Alltag, lässt sie ohne Hektik vor der Kamera agieren und gewährt ihnen Zeit und Ruhe – beim Reflektieren und Erinnern. Die nachdrücklichen Äußerungen der Interviewten, die über ihr Leben und die Traumata der Vergangenheit erzählen, machen unmissverständlich klar: Die Erinnerung an das schlimmste Verbrechen der Menschheitsgeschichte verschwindet nie und bricht sich im alltäglichen Leben in Augenblicken und Momentaufnahmen Bahn.

Fazit: Sehr persönliche und behutsame Annäherung an das schwierige Thema "Holocaust-Erinnerungskultur", dem sich die Filmemacherin mittels intensiver Gespräche und akkurater Beobachtungen annähert.




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