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Kritik: Following Habeck (2018)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5


Anfang 2018 wurde Habeck gemeinsam mit Annalena Baerbock der neue Bundesvorstand der Grünen. Im September tritt er sein Amt an, pünktlich dazu erscheint nun diese Doku in den deutschen Kinos. Bevor sich Habeck für seine Kandidatur entschied, war er viele Jahre Landwirtschafts- und Umweltminister in Schleswig-Holstein. Davor arbeitete er als Schriftsteller.


"Following Habeck" wurde von Malte Blockhaus gedreht und produziert. Für den 34-jährigen Osnabrücker, der 2010 seine eigene Filmproduktionsfirma gründete, ist es die erste abendfüllender Doku.
Chronologisch zeichnet "Following Habeck" den über zwei Jahre andauernden Weg Habecks bis zur entscheidenden Wahl nach. Ihren Anfang nimmt die Reise bei der Bundesdelegiertenkonferenz im November 2015 in Halle – ein erstes großes Schaulaufen der Bewerber. Was dann folgt, ist ein kräftezehrender Ritt durch die Republik. Es gilt, auf Stimmenfang zu gehen und für die eigenen Positionen zu werben. Blockhaus begleitet seinen Protagonisten zu schier unzähligen Urwahlforen durch Deutschland sowie zu dutzenden Vorstellungsterminen in den Kreisverbänden. Ob Darmstadt, Aachen, Köln oder Hannover – Habeck wird von einem Termin zum nächsten gefahren.

Spannend sind jene Augenblicke, die den Politiker hinter den Kulissen beim Durchatmen und Reflektieren zeigen. In Momenten und an Orten, die sonst für die Kameras eigentlich tabu sind. Etwa im Hotelzimmer nach einem anstrengenden Tag auf Reisen oder im Auto zwischen zwei Terminen, wenn Habeck in einer Szene einmal selbst äußerst, zu welch einem "crazy ride" sich sein Leben seit der Spitzenkandidatur entwickelt habe. Was ihn bei all dem Stress und dem ganzen öffentlichen Druck erde und zur Ruhe kommen lasse, fragt Blockhaus Habeck an einer Stelle. "Die Familie", antwortet der Politiker ohne lange zu überlegen. Und dass er sich mindestens eine Nacht zu Hause aufhalten müsse, um den Kopf frei zu kriegen. Ein paar Stunden genügen nicht.

Auch das macht den Film aus: Die Offenheit und Ehrlichkeit eines Politikers, der sich dem Regisseur gegenüber jederzeit unverstellt und ehrlich gibt. Ein Film zudem, der einen ungekünstelten, authentischen Blick hinter die Kulissen gewährt und die Mechanismen des medialen und politischen Betriebs offenlegt. Wie groß die Belastung ist und wie wenig Zeit zwischen einzelnen Terminen bleibt, zeigt unter anderem eine Szene im Hotelzimmer. Es ist noch früh am Morgen, vielleicht 7.30 oder 8 Uhr. Habeck hat bereits das Handy in der Hand und erwartet einen Anruf zwecks Telefoninterview. Innerhalb weniger Minuten wird er drei verschiedenen Radiosendern Interviews geben. Wenig später steht er vor TV-Kameras und gibt Erklärungen ab. Der politische Alltag ist aufreibend und mühselig, die Volksvertreter stehen unter Dauerbeobachtung und müssen stets funktionieren. Bei "Following Habeck" sind dies nicht nur inhaltleere Phrasen und abgedroschene Floskeln. Die lebensnahe Doku zeigt, dass dem auch wirklich so ist.

Fazit: Aufrichtiger, glaubwürdiger Blick hinter die Kulissen des deutschen Polit-Betriebs, der die Mechanismen unserer Demokratie verdeutlicht.




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