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Breakdown in Tokyo
Breakdown in Tokyo
© Darling Berlin © UCM.One

Kritik: Breakdown in Tokyo (2018)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5

Mit "Breakdown in Tokyo" liefert der 1953 in Budapest geborene Filmemacher Zoltan Paul ("Frauensee", "Amok – Hansi geht's gut") einen interessanten Mix aus dokumentarischer Begleitung einer kleinen Club-Tour durch Japan und fiktionalisiertem Blick hinter die Kulissen der chaotischen Dreharbeiten. Die Gratwanderungen zwischen Dichtung und Wahrheit erweisen sich dabei als sehr geschickt: So verkörpert Paul selbst den Protagonisten Lászlo Kovács, der ebenfalls Regisseur ist und gegen Ende im Goethe-Institut in Tokio Pauls Werk "Amok" vorstellt. Ebenso spielen Pauls Sohn Julian Adam Pajzs und Pauls Lebensgefährtin Clementina Hegewisch Versionen ihrer selbst und sind auch im echten Leben als Musiker beziehungsweise Produzentin tätig.

Auf erfrischend ehrliche Weise erzählt "Breakdown in Tokyo" von der späten Midlife-Crisis des Anti-Helden Lászlo, dessen Beziehung mit der herb und streng wirkenden Emma auf die Probe gestellt wird, als der Filmemacher mit der deutlich jüngeren japanischen Tour-Managerin Nahoko zu flirten beginnt – und diese sich heftig in ihn verliebt. Tomoko Inoue interpretiert diese emotional instabile Reiseleiterin ganz wunderbar und sorgt für die absurdesten Momente des Werks. Bald hat sich alles in Konfusion verwandelt – und es ist herrlich komisch und zugleich ziemlich tragisch, wie sich Lászlo zunächst erfolglos um Schadensbegrenzung bemüht. Überdies wird deutlich, dass Lászlo mit seinem Dokumentarfilm einen Traum aus seiner Jugendzeit nachholen möchte: Auch er wollte einst Musiker werden – und will nun am "Rockstarleben" seines Sohnes teilhaben. Dass dieser ein völlig bodenständiger und vernünftiger Typ ist, ist eines von vielen schönen Details dieser Geschichte.

Neben Ausflügen ins Gangsterfilm-Genre (wenn Lászlo Nahokos Vater kennenlernt) wird "Breakdown in Tokyo" noch von Zitaten des rumänischen Philosophen Emil Cioran (1911-1995) angereichert, die in ihrem gnadenlosen Pessimismus den schwarzen Humor des Werks gelungen unterstreichen.

Fazit: Ein unterhaltsam-cleverer Film über die berufliche und private Krise eines Regisseurs. Das Spiel mit der Realität verleiht dem Ganzen einen besonderen Reiz.




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