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Unser Saatgut - Wir ernten, was wir säen
Unser Saatgut - Wir ernten, was wir säen
© W-Film

Kritik: Unser Saatgut - Wir ernten, was wir säen (2016)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 3 / 5

"Viele unserer Samen sind heute ebenso gefährdet wie der Panda oder der Eisbär", erläutern Taggart Siegel und Jon Betz die Lage der globalen Saatgutvielfalt in einem Regiekommentar. Wie so viele Dokumentarfilme über ökologische Themen ist auch ihrer eine eindringliche Mahnung. Dank eines undogmatischen Tons und eines verspielten formalen Ansatzes vermittelt er seine Botschaft aber nie mit erhobenem Zeigefinger, sondern durch locker-leichte Lerneffekte.

Zunächst lernt das Publikum etwas über die Jahrtausende alte Erfolgsgeschichte der Kulturpflanze Mais. Gemeinsam mit dem Regieduo folgt es der Ausbreitung des Süßgrases von Mexiko über die USA in die ganze Welt. Danach nehmen sich Siegel und Betz die Themen Saatbanken, Pflanzenwachstum, botanische Entdecker und genmanipulierte Organismen vor. Unter ihren Gesprächspartnern ist manch schriller Typ wie Joe Simcox, der seine Samen wie Drogen feilbietet und auf der Jagd nach ihnen stets vollen Körpereinsatz leistet.

Der dramaturgische Aufbau ist nicht immer schlüssig. Ähnlich vielfältig und vogelwild wie vorgestellten Samen und Interviewpartner sind auch die formalen Mittel des Films. Mal sind Pflanzen und Saatgut in Großaufnahme und Zeitlupe wie in einem Werbespot in Szene gesetzt, mal tänzeln Zeichentrick- oder Stop-Motion-Animationen zu gezupften Streichinstrumenten durchs Bild.

Um obligatorische Interviewpartner wie die renommierten Aktivistinnen Jane Goodall und Vandana Shiva kommen auch Siegel und Betz nicht herum. Erfreulicherweise geben sie aber auch Menschen eine Stimme, die in vergleichbaren Dokus häufig zu kurz kommen: der indigenen Bevölkerung von Südmexiko bis Hawaii, die das Land lange vor der Ankunft der weißen Siedler bestellten. Kein Gehör findet indes die Gegenseite. Wie in so vielen anderen Filmen zum Thema ist das auch Siegels und Betz' große Schwachstelle – eine völlig unnötige noch dazu, da sich die Vertreter der Großkonzerne in einigen wenigen Archivaufnahmen selbst diskreditieren.

Fazit: Wie so viele Dokumentarfilme der vergangenen Jahre über ökologische Themen bezieht auch "Unser Saatgut" eindeutig Stellung aufseiten der Umweltschützer. Die Gegenseite kommt nicht zu Wort. Dank teils schriller Typen, eines locker-leichten Tons und einer kreativen Form ist das aber ebenso unterhaltsam wie lehrreich.




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