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Die Schneiderin der Träume
Die Schneiderin der Träume
© Neue Visionen

Kritik: Die Schneiderin der Träume (2018)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5

"Die Schneiderin der Träume" ist der erste Film der indischen Produzentin, Regisseurin und Drehbuchautorin Rohena Gera seit der Doku "What’s love got to do with it?" von 2013. Bekannt wurde sie in den frühen 00er-Jahren, als sie an den Drehbüchern der erfolgreichen indischen TV-Serie "Jassi Jaissi Koi Nahin” mitwirkte. "Die Schneiderin der Träume” feierte seine Weltpremiere bei den Internationalen Filmfestspielen von Cannes in diesem Frühjahr.

Mit feinem Gespür für leise Zwischentöne und die verborgenen Emotionen ihrer vielschichtigen Figuren, übt Regisseurin Gera in ihrem Liebesdrama Kritik am restriktiv-antiquierten Kastensystem Indiens. Ein System, in dem sich Menschen aus unterschiedlichen sozialen Schichten und mit verschiedenen gesellschaftlichen Hintergründen nicht lieben dürfen. Genau wie im Fall von Ratna und Ashwin. Diese Kritik an den Missständen eines ganzen Gesellschaftssystems mit all seinen veralteten, rückständigen Werten und Traditionen, webt die Filmemacherin subtil in ihren Film ein.

Dies gelingt ihr dank einer exakten Beobachtungsgabe, die das ganze Leid der Figuren nicht zuletzt anhand ihrer unsicheren Gesten und verstohlenen Blicke einfängt. Oder wenn sie in unbeobachteten Momenten ihren Gefühlen freien Lauf lassen können und – wie es bei Ratna in einer Szene der Fall ist – unter der Last der unterdrückten Gefühle in Tränen ausbrechen. Dann aber gibt es ebenso wunderbare Augenblicke und herzerwärmende Szenen befreienden Glücks. Etwa wenn Ratna eines Tages von Ashwin eine alte Nähmaschine geschenkt bekommt, um weiter an ihrem Traum arbeiten zu können. Die Liebe zu Mode und zur Schneiderei wird auch dann deutlich, wenn die intelligente junge Frau mit dem Bus an Modegeschäften vorbeifährt oder die Kleidung ihrer Mitmenschen mit außergewöhnlicher Auffassungsgabe wahrnimmt.

Obwohl Gera gerade in den Dialogen ("Jeder hat das Recht seinen Traum zu leben") hier und da in etwas rührselig-kitschige Gefilde abdriftet, ist der Film in Sachen Stimmung und Atmosphäre zum Glück weitestgehend vom Pathos ähnlich gelagerter Werke befreit. Und am Ende gewährt Gera ihren Liebenden sogar einen Hoffnungsschimmer auf eine mögliche glückliche, bessere Zukunft.

Fazit: Vielschichtiges, mit feinem Blick für die Befindlichkeiten der komplexen Charaktere angelegtes, kammerspielartiges Liebesdrama, das auf die traditionellen und verkrustete Rollenbilder und Ansichten eines repressiven Systems verweist.




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