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Kritik: Moritz Daniel Oppenheim - Der erste jüdische Maler (2016)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 3 / 5

Mit der dokumentarischen Betrachtung "Moritz Daniel Oppenheim – Der erste jüdische Maler" hat Isabel Gathof ihren ersten Langfilm realisiert. Sie legt damit zugleich das erste abendfüllende Werk vor, das über den 1800 geborenen Künstler geschaffen wurde. Um sich Oppenheim zu nähern, wählt Gathof die Verknüpfung zweier Erzählebenen: Zum einen zeigt sie, wie die Stadt Hanau – die sowohl ihre eigene Heimat als auch die ihres Protagonisten ist – dem Maler im Jahre 2015 auf dem Freiheitsplatz ein Denkmal mit dem Titel "Moritz und das tanzende Bild" setzt; zum anderen lässt sie Personen zu Wort kommen, die sich zu Oppenheim äußern.

Das Oppenheim-Denkmal besteht aus zwei Elementen: einer klassischen Statue des Bildhauers Pascal Coupot und einem von Robert Schad entworfenen, abstrakt-modernen Stahlstangen-Geflecht. Insbesondere der allmählichen Entstehung der Statue, angefangen mit einem Miniaturmodell bis zum Endergebnis auf dem städtischen Platz, widmet Gathof große Aufmerksamkeit. Gelungen ist hier die musikalische Untermalung dieser visuellen Begleitung: Die Komponisten Jens Troester und Christos Kessidis haben in Zusammenarbeit mit der Neuen Philharmonie Frankfurt eine Kombination aus der Musik von Felix Mendelssohn-Bartholdy (1809-1847) und elektronischen Klängen kreiert.

Zu den Stimmen, die in Gathofs Film zu Wort kommen, zählen Oppenheims Ur-Ur-Ur-Großenkelin Patricia Lewin sowie Erik Riedel vom Jüdischen Museum Frankfurt. Besonders mitreißend und lebhaft sind die Schilderungen der promovierten Oppenheim-Expertin Dr. Esther Graf, die etwa auf die raffinierte Bildsprache in Oppenheims Genredarstellungen vom Alltagleben der jüdischen Bevölkerung eingeht, und die spürbar begeisterten Ausführungen des israelischen Rabbis Yehuda Aharon Horovitz zu einzelnen Arbeiten Oppenheims und den besonderen Details, die es darin zu entdecken gibt. Es wird deutlich, dass Oppenheim, der als "Maler der Rothschilds und Rothschild der Maler" bezeichnet wurde, als wichtiger Chronist der jüdischen Emanzipation angesehen werden muss.

Fazit: Ein sehenswerter Dokumentarfilm über Moritz Daniel Oppenheim, der dessen Bedeutung als Künstler über sachkundige Stimmen sowie über Bilder von der Herstellung eines Oppenheim-Denkmals vermittelt.




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