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Messi and Maud
Messi and Maud
© dejavu filmverleih

Kritik: Messi and Maud (2017)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 3 / 5

Das Road Movie, mit dem die holländische Regisseurin Marleen Jonkman ihr Spielfilmdebüt gibt, trägt einen ähnlichen Titel wie der Kultfilm "Harold and Maude" von 1971. Aber die inhaltlichen Ähnlichkeiten sind vernachlässigbar – dass beispielsweise Maud viel älter ist als ihr Begleiter Messi, dass es sich um die Freundschaft zweier Menschen handelt, die gerade ziemlich allein sind. Eine gewisse Parallele besteht vor allem im etwas schrägen Charakter der Geschichte.

Streckenweise verhält sich Maud, deren Kinderwunsch sich nicht erfüllen lässt, wie eine psychisch Gestörte, die der Versuchung erliegt, Kinder zu entführen. Sogar in der Zeitung wird nach dem Jungen gefahndet, der mit ihr, wenn auch freiwillig, unterwegs ist. Aber der Ton bleibt entspannt, und Maud wirkt auf ihrer inneren Reise lediglich etwas melancholisch.

Maud stellt in Chile fest, dass ihr Lebensweg in eine Sackgasse geraten ist. Ihr Freund Frank hat ganz andere Interessen, vor allem aber ist er auch selbstbezogen und merkt gar nicht, wie es ihr geht. So ist sie auf dem fremden Kontinent plötzlich auf sich gestellt und setzt die Reise fort, indem sie sich treiben lässt. Per Anhalter zu reisen, ist nicht ungefährlich, und Messi nicht auf dem kürzesten Weg zu seiner Mutter zu bringen, natürlich auch. Warum der aufgeweckte Junge mit ihr reisen will, wird nicht erklärt, aber er rebelliert gegen seinen Vater und die Art, wie er über die Mutter redet.

Maud wirkt wie eine starke, selbstbewusste Frau, eine Reisegefährtin mit Sinn für Spaß und wilde Abenteuer. Messi scheint Mauds verschmitzte Flunkereien zu mögen, ihre phantasievollen Identitäten, die sie spontan im Gespräch mit anderen erfindet. Rifka Lodeizen spielt Maud mit einem in die Ferne und zugleich nach innen gerichteten Blick, so dass sie stets lässig, aber auch leicht abwesend wirkt.

Der Roadtrip saugt die Atmosphäre der wechselnden Landschaften auf, der schnurgeraden Straße durch die Wüste, des städtischen Trubels, einer Hippie-Strandparty. Die majestätische Natur entlang der Küste spiegelt oft die Einsamkeit Mauds, vermittelt ihr wohl aber auch ein Gefühl der Freiheit. Sich auf die Fremde einzulassen, erfordert Mut, allein zu sein. Das nämlich bleiben Maud und Messi ein Stück weit, auch wenn sie zusammen reisen. Die stille, aber dynamische Geschichte fühlt sich manchmal entsprechend rau an.

Fazit: Entspannt, melancholisch und ein bisschen schräg gestaltet sich der Roadtrip, den die Holländerin Maud in Chile mit einem einheimischen Jungen unternimmt. Das Spielfilmdebüt von Marleen Jonkman lässt sich mit seiner starken weiblichen Hauptperson auf einer Reise treiben, die wild und rau sein kann wie die majestätische Landschaft Chiles. Aber vor allem entwickelt die Freundschaft der beiden gegen ihre Lebenssituation rebellierenden Charaktere eine sanfte, versöhnliche Kraft.




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