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Kritik: Echo (2018)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 3 / 5

In seinem Spielfilmdebüt schlägt der Regisseur Dren Zherka eine thematische Brücke zwischen seiner alten Heimat, dem Kosovo, und seiner Wahlheimat Deutschland. Hanna und Ismet leben in ganz unterschiedlichen Verhältnissen, die eine in Deutschland, der andere im Kosovo. Ihre Biografien haben wenig gemeinsam, und sie wissen nicht einmal, dass sie über einen Unfalltoten miteinander verbunden sind. Der junge Mann, der in Deutschland starb und dessen ihr unbekannte Familie Hanna kontaktieren will, ist Ismets Sohn gewesen. Was jedoch Hanna und Ismet, die beide der Rentnergeneration angehören, über alle kulturellen und sonstigen Unterschiede hinaus verbindet, ist die Erfahrung von Einsamkeit und Verlust.

Zherkas Film vertieft sich in stillen Bildern in den Alltag von Ismet und Hanna. Weil die beiden so oft alleine sind, wird nicht viel geredet. Wer ein wenig mehr über die Biografien erfahren will, die Zherka seinen Figuren ausgedacht hat, kann sich auf der Filmhomepage Eho-Film.com informieren. Im Film selbst nämlich werden die Hintergründe und Zusammenhänge, die ihr Verhalten erklären könnten, allenfalls angedeutet. Die Zuschauer müssen selbst spekulieren und sich den Charakteren intuitiv annähern.

Hanna lebt in Deutschland in einer komfortablen, ein wenig altmodisch eingerichteten Wohnung, sie hat eine Lebensversicherung, kennt keine materiellen Sorgen. Sie bemüht sich, ein aktives, engagiertes Leben zu führen, doch gegen die Einsamkeit daheim helfen nur Tabletten. Einmal ruft sie bei ihrem Sohn an, doch ihr Mut verlässt sie rasch. Wenn sie die Familie des Unfallopfers ausfindig machen will, dann ist das auch ein unbewusster Versuch, sich für den Verlust der Beziehung zum eigenen Sohn zu entschädigen.

Ismet wird körperlich immer schwächer, er resigniert. Wenn er noch einmal die alten Tonbänder hört mit den fröhlichen Stimmen seiner Kinder, wird ihm offenbar bewusst, dass ihn nichts mehr in der Gegenwart hält. Seine Erinnerungen sind untrennbar mit der Katastrophe des Krieges verbunden, er nimmt nicht teil am Wandel der Stadt, von dem die Baustellen vor der Haustür künden. In Voice-Over werden poetische Texte rezitiert, die Ismets inneren Zustand spiegeln, seine Gedanken, die er nicht mehr äußern oder auf seiner Schreibmaschine zu Papier bringen kann. Sich einzukapseln, ist seine Form des Abschiednehmens. Dieser atmosphärisch dichte Film gibt sich ebenfalls verschlossen, vermag aber dennoch zu berühren.

Fazit: Das Spielfilmdebüt des Regisseurs Dren Zherka ist eine stille, nachdenkliche Etüde über die Einsamkeit im Alter. In Deutschland tröstet sich eine alleinstehende Frau mit ihrem Engagement für andere nur mühsam über den abgebrochenen Kontakt zu ihrem Sohn hinweg. Im Kosovo bricht für einen Mann aus tragischen Gründen der Kontakt zu seinem Sohn, der ihm Geld aus Deutschland schickte, ebenfalls ab. In langen Einstellungen tastet sich der Film an die Gefühlswelt seiner verschlossenen Protagonisten heran und lässt den Zuschauern Raum für eigene Entdeckungen.





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