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Tian - Das Geheimnis der Schmuckstraße
Tian - Das Geheimnis der Schmuckstraße
© barnsteiner-film

Kritik: Tian - Das Geheimnis der Schmuckstraße (2017)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 3 / 5

Das Spielfilmdebüt von Regisseur Damian Schipporeit unternimmt den gewagten Versuch, an eine historische Gräueltat in Form eines Mystery-Thrillers zu erinnern. An ihrem neuen Wohnort wird eine dreiköpfige Familie in den Spuk hineingezogen, der sich dort mit zunehmender Kraft entfaltet. Vor allem die psychisch labile Friederike und ihre kleine Tochter drohen den Boden unter den Füßen zu verlieren, scheinen in eine andere Welt abzudriften. Der Großvater, dem das Haus gehört, kennt dessen dunkle Vergangenheit, schweigt aber beharrlich.

Der Film, für den Stefan Gieren und Georg Tiefenbach das Drehbuch schrieben, ist den chinesischen Opfern des Nationalsozialismus in Hamburg gewidmet. Am 13. Mai 1944 verhaftete die Gestapo rund 130 chinesische Bewohner der Schmuckstraße in St. Pauli und brachte sie in Arbeitslager. Die Misshandlungen und die Zwangsarbeit forderten mindestens 17 Todesopfer, die genaue Zahl der Opfer bleibt unbekannt.

Ein ordentliches Spukhaus sollte den Eindruck schauriger Trostlosigkeit vermitteln. Friederikes Vater Heinrich wollte der jungen Familie vermutlich nur helfen, in Hamburg unterzukommen, aber dass er der psychisch labilen Tochter diese unrenovierte, traurige Wohnung zumutet, wirft Fragezeichen auf. Welche Rolle spielt der abweisende alte Mann in diesem Geschehen, das sich auf unheilvolle Weise im Leben der Tochter und Enkelin sowie des ratlosen Schwiegersohns bemerkbar macht? An den Wänden kleben noch die alten Tapeten, die Möbel der Chinesin, die während des Krieges hier wohnte und eine Wäscherei betrieb, stehen noch herum, die Fliesen im Bad haben eine deprimierende grüngelbe Farbe, wie sie schon lange nicht mehr in Mode ist.

Der Spuk fordert in diesem maroden Ambiente dann deutlich seinen Tribut, verlangt nicht nur nach Aufmerksamkeit, sondern offenbar auch nach Sühne. Eine dunkle Flüssigkeit quillt aus den Wänden, das chinesische Schriftzeichen erscheint wieder, nachdem es weggewischt wurde. Die Vergangenheit lässt sich nicht einfach unter den Teppich kehren, sie lastet wie ein Fluch auf nachfolgenden Generationen, die sich am gleichen Ort bewegen und sich mit ihr nicht befassen wollen.

Es gibt einige überraschende Wendungen in dieser Geschichte, die jedoch auch immer wieder ziemlich holprig verlaufen kann. Trotz ihres unvollkommenen Gesamteindrucks bereichert sie mit ihren überzeugenden Darstellern das Thriller- und Geisterfilmgenre auf aparte, originelle Weise.

Fazit: Das Spielfilmdebüt des Regisseurs Damian Schipporeit verknüpft auf originelle, aparte Weise eine schaurige Spuk-Handlung mit realen Geschehnissen im Hamburger Viertel St. Pauli während der Nazizeit. Die Geister, die nach den neuen Bewohnern eines Hauses in der Schmuckstraße greifen, können keinen Frieden finden, solange ihre Geschichte nicht restlos aufgedeckt wird. Gute darstellerische Leistungen, eine bedrückende Wohnung als Hauptschauplatz, überraschende Wendungen bilden als reizvolle Eigenschaften ein Gegengewicht zum etwas holprigen Gesamteindruck.







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