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Worauf warten wir noch?
Worauf warten wir noch?
© dejavu filmverleih

Kritik: Worauf warten wir noch? (2016)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5

Die englische Stadt Totnes ist mittlerweile in aller Welt bekannt als Pionierin der 2006 entstandenen Transition-Town-Bewegung. In vielen Dokumentarfilmen wurde bereits über ihre lokale Währung und den Gemüseanbau auf öffentlichen Grünflächen berichtet. Auch der Bürgermeister der elsässischen Gemeinde Ungersheim, Jean-Claude Mensch, sah vor Jahren einen Film über Totnes. Er fing an, sich für das Konzept "Transition" zu interessieren, also für den Übergang vom Erdölzeitalter in eine Zukunft, in der Wirtschaft und Konsum an ökologischen und regionalen Gesichtspunkten orientiert sind. Inzwischen sind in Ungersheim aus einer Fülle von Ideen längst konkrete Projekte entstanden, die Erfolge vorweisen können. Es werden Ökohäuser gebaut, man experimentiert mit alten Getreidesorten, auf dem Gelände einer früheren Mine ließ die Gemeinde die größte Photovoltaik-Anlage des Elsass errichten.

Die französische Dokumentarfilmerin Marie-Monique Robin hat sich ausgiebig in Ungersheim umgeschaut. Eine Reihe von alteingesessenen und neu hinzugezogenen Einwohnern berichtet vor der Kamera über ihre Mitarbeit in den verschiedenen Projekten. Man sieht die Menschen gemeinsam Kartoffeln ernten, Pferdekutschen fahren durch den Ort. Gemüse, das die örtliche Gärtnerei nicht verkauft, wird nicht weggeworfen, sondern in einer Küche verarbeitet, in der Rentnerinnen ehrenamtlich mitarbeiten. Viele Projekte setzen auf regionale Traditionen, die in Vergessenheit geraten waren. So werden wieder örtliche Getreidesorten angebaut, von denen nur noch das Museum Kenntnis hatte. Experimentierfreudig wird getestet, welche Sorten sich zum Brotbacken besonders gut eignen.

Manche der Interviewten schwärmen von einem neuen Gemeinschaftsgefühl. Skeptische Stimmen sind nicht zu vernehmen, allenfalls sorgt sich ein alter Landwirt, wie denn die Arbeitskräfte der Zukunft bezahlt werden sollen. Er setzte einst auf Mais-Monokultur, die aber wegen des Klimawandels bald ausgedient haben könnte, wie er einräumt. Nur am Rande wird erwähnt, dass viele Einwohner bei den Projekten gar nicht mitmachen und auch die lokale Währung nicht benutzen. Der Film stellt sich ganz in den Dienst der guten Sache, bietet den Initiativen quasi eine Plattform zur Selbstdarstellung. Weil sich aber der Elan der Teilnehmer so gut mitteilt, wirkt der Film sehr anregend. Er demonstriert, dass Menschen ihre Lebensbedingungen und die Zukunft ihrer Gemeinde auf vielfältige Art mitgestalten können.

Fazit: Der Dokumentarfilm von Marie-Monique Robin stellt die vielfältigen Projekte vor, mit denen die elsässische Gemeinde Ungersheim ökologisch orientierte Autarkie anstrebt. Hier steht der Bürgermeister selbst an vorderster Front der aus England stammenden Transition-Town-Bewegung und hilft mit dem Gemeinderat biologischer Landwirtschaft, Solaranlagen und lokalen Wirtschaftskreisläufen auf den Weg. Wenn die Bewohner über ihr Engagement und ihre positiven Erfahrungen berichten, wirken sie sehr überzeugend und inspirierend.




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