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Weserlust Hotel   Der verrückte Filmdreh All inclusive
Weserlust Hotel Der verrückte Filmdreh All inclusive
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Kritik: Weserlust Hotel – Der verrückte Filmdreh All inclusive (2017)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 3 / 5

Im Jahr 2016 dreht der Regisseur Eike Besuden in Bremen seinen Spielfilm "All Inclusive". Der Filmtitel verweist nicht nur darauf, dass es in der Geschichte um ein Hotel geht, sondern auch auf das Thema Inklusion, das sie behandelt. Vor und hinter der Kamera arbeiten behinderte und nicht behinderte Menschen zusammen. Die Charaktere mit Behinderung in "All Inclusive" werden auch von Schauspielern mit Behinderung dargestellt. Aber auch in allen anderen Sparten wie Kostüm, Requisite, Musik arbeiten behinderte Menschen mit. Besuden hat die Entstehung des Spielfilms mit diesem Making-of für das Kino dokumentiert, um zu demonstrieren, wie Inklusion beim Film funktioniert.

Der junge Hauptdarsteller Kevin Alamsyah, aber auch die anderen Schauspieler mit Behinderung lassen sich geduldig auf die Proben ein. Unermüdlich wiederholen sie Dialoge, bis sie sitzen. Menschen mit Down-Syndrom, mit Asperger-Syndrom, mit Psychosen und anderen chronischen Beeinträchtigungen bringen sich leidenschaftlich ein. Sie genießen den Kontakt mit den Nichtbehinderten, die Anerkennung und auch nur, von ihnen wahrgenommen zu werden. Je länger man zuschaut, desto mehr fällt auf, wie fröhlich, gelöst und engagiert die behinderten Teilnehmer sind und dass von dieser lockeren, kreativen Atmosphäre auch die Nichtbehinderten profitieren. Die gelernte Schauspielerin Ulrike Knospe äußert diese Erfahrung vor der Kamera.

Zweitens fällt auf, dass die Behinderten mehr können, als ein flüchtiger erster Eindruck vermuten ließe, dass sie Talente besitzen. Manche sind handwerklich geschickt, andere tanzen gut, singen gerne im Chor. Es gibt eine Saxofonistin und einen Schlagzeuger, die hochmotiviert an der Filmmusik mitwirken und ihr Instrument beherrschen. Der Chorleiter sagt, diejenigen, die schnell lernen, seien keineswegs immer die Nichtbehinderten.

Gerne hätte man mehr über die beiden Bremer Inklusionsvereine "Blaue Karawane" und "Blaumeier-Atelier" erfahren, denen die behinderten Teilnehmer des Filmprojekts jeweils angehören. Auch ist es nicht nur von Vorteil, dass der Regisseur des Spielfilms dieses Making-of selbst erstellt hat. Vielleicht hätte eine größere Distanz zum Spielfilmprojekt andere, gar aussagekräftigere Motive und Statements hervorgebracht. Auch so aber wirkt der Film wie ein Novum, er demonstriert Inklusion als alltagstaugliches Konzept, als Zukunftsaufgabe, für die keineswegs nur die Schulen zuständig sein dürfen.

Fazit: Eike Besuden, der Regisseur des Spielfilms "All Inclusive", hat die Proben und Dreharbeiten mit seinen behinderten und nicht behinderten Schauspielern und Crew-Mitgliedern auch dokumentarisch festgehalten. Zu den Beobachtungen vom Dreh und aus seinem Vorfeld kommen die Aussagen von Beteiligten hinzu, die sich positiv über die praktizierte Inklusion äußern. Das Zuschauen verändert den Blick des Betrachters, der Vorurteile oder Vorbehalte abstreift und die Begeisterungsfähigkeit, den Humor und die Talente der Menschen mit Beeinträchtigung viel offener wahrnimmt.




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