Die Domain Spielfilm.de verwendet Cookies für funktionale und analytische Zwecke. Durch die Nutzung unserer Seite erklärst Du Dich damit einverstanden. Weitere Cookie-Informationen findest Du hier.

Ok, einverstanden!

oder
Elternschule
Elternschule
© Zorro Film © mindjazz pictures

Kritik: Elternschule (2018)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 3 / 5

Der Dokumentarfilm von Jörg Adolph und Ralf Bücheler, die bereits bei "Leben – Gebrauchsanleitung" von 2016 gemeinsam Regie führten, widmet sich einem Thema, das bewegt und das, wenn auch in milderer Ausprägung, den meisten Eltern nicht ganz erspart bleibt. Es geht um Kinder, die sich heftige Machtkämpfe mit ihren Erziehungsberechtigten liefern, die gelernt haben, wie sie die Eltern am Gängelband führen können. So sehr sich die besorgten Eltern auch bemühen, es den Kleinen recht zu machen, sie erreichen eher das Gegenteil und der Nachwuchs versäumt wichtige Entwicklungsschritte. Der Film beobachtet die stationäre Therapie in der psychosomatischen Abteilung der Kinder – und Jugendklinik Gelsenkirchen, von den Aufnahmegesprächen bis zum Nachsorgetermin.

Was die Kamera beobachtet, wirkt sehr berührend, manchmal auch erschütternd. Ein zweijähriger Junge erbricht zwanghaft, muss zeitweise mit der Sonde ernährt werden. Ein Mädchen verhält sich völlig passiv, ein anderes ist bereits im Vorschulalter, beschränkt sein Interesse aber vor allem darauf, die Mutter mit seinem Essverhalten zu terrorisieren. Die Gespräche der Mitarbeiter mit den Eltern fördern zutage, dass manche dieser Kinder von Krankheiten und schlechten Erfahrungen belastet sind, aber auch, dass die Mütter nicht wissen, wie sie die eingefahrenen Beziehungsmuster durchbrechen können. Sie lassen sich herumkommandieren, weil sie gesundheitlichen Schaden von den Kindern abwenden wollen. Dabei können die Kinder längst schlafen und essen oder lernen es hier in kurzer Zeit, sehr zum Erstaunen und zur Erleichterung der Eltern.

Der Umgang der Klinikmitarbeiter mit den Kindern ist praktisch das Gegenteil einer Kuscheltherapie. Tobende Kinder werden nicht beachtet, das Essen dauert 20 Minuten, die Kleinen sollen sich daran gewöhnen, im Dunkeln einzuschlafen, an der Hand von Erwachsenen zu gehen, die nur knappe, kühle Anweisungen geben. Die flankierenden Ausschnitte aus Langers Vorträgen für die Eltern geben Erklärungen, die den Irritationen auch auf Zuschauerseite vorbeugen oder sie abmildern. Nach Tagen, manchmal Wochen, zeigen sich jedoch Erfolge. Ein kleiner Schreihals lächelt plötzlich, ein trotziges Mädchen spielt begeistert mit. Kinder sind anpassungs- und lernfähig und demonstrieren ihren zweifelnden Eltern schließlich selbst den Weg zur Besserung.

Fazit: Der Dokumentarfilm von Jörg Adolph und Ralf Bücheler beobachtet die therapeutischen Prozesse an der psychosomatischen Abteilung der Kinder- und Jugendklinik in Gelsenkirchen. Hierher kommen verzweifelte Mütter mit ihren Kindern, die unter chronischem Stress in Form von Allergien, Schlaf- und Essstörungen leiden. Während die Kinder eine konsequente Umerziehung durchlaufen, müssen die Mütter lernen, ihnen eine positive Entwicklung zuzutrauen. Die unkommentierten Beobachtungen lassen wohl niemanden unberührt, nicht nur wegen der Erfolge, die sich im Verlauf abzeichnen, sondern auch wegen des Tals der Tränen, das die kleinen Patienten durchschreiten.




Spielfilm.de-Mitglied werden oder einloggen.