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Die Legende vom hässlichen König
Die Legende vom hässlichen König
© Mitos Film

Kritik: Die Legende vom hässlichen König (2017)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 5 / 5

Der Filmemacher Hüseyin Tabak betrachtet für seine Doku nicht nur das filmische Schaffen und Leben von Güney sondern auch dessen politisches Wirken bis in die heutige Zeit. Für ihn ist Güney ein großes Vorbild, der mit seiner Kunst wie wenige andere türkische Filmschaffende die Nachwelt beeinflusste. Tabak traf sich mit Familienmitgliedern des streitbaren Regisseurs und sprach mit Kollegen wie Michael Haneke und Costa-Gavras. Sie alle legen ihre Sicht dar, ob Güney eher ein Genie oder ein Wahnsinniger war. Oder vielleicht sogar beides.

Auch wenn "Die Legende vom hässlichen König" nicht chronologisch erzählt ist, handelt das Werk doch adäquat und umfassend die vielen unterschiedlichen Lebensstationen des großen Künstlers Güney ab. Und all die Rollen, die er in seinem kurzen aber intensiven Leben inne hatte: Vom umjubelten Filmstar und beliebtesten Schauspieler der Türkei in den 60er-Jahren über seinen Durchbruch als junger Filmemacher in den frühen 70er-Jahren bis hin zur entbehrungsreichen Zeit in der Haft und als politisch Gefangener in der zweiten Hälfte der Dekade. Jede dieser Lebensphasen wird im Film durch spannende Archivaufnahmen und tolles Originalmaterial für den Zuschauer greifbar und deutlich. So zeigen sie unter anderem Güney, wie er im Hof der Haftanstalt mit anderen Gefangenen Durchhalteparolen gensanglich darbietet und die Türkei als "ein Land voller Faschisten" bezeichnet.

Seltene, aus dem privaten Fundus der Familie stammende Bilder aus den frühen 80er-Jahren geben Einblicke in die Arbeit an Güneys Meisterwerk "Yol". Jener Film, der sich wie kaum ein anderer kritisch und reflektiert mit dem Militärputsch in der Türkei auseinandersetzt und als Beginn des kurdischen Kinos angesehen werden kann. Die raren Fotos zeigen ihn unter anderem beim Schreiben des Drehbuchs oder wie er seinem Mitarbeiter Anweisungen für die Regie gibt – vom Gefängnis aus. "Die Legende vom hässlichen König" ist zudem ein sehr persönlicher Film, der über eine ebensolche Herangehensweise verfügt. So spricht Tabak vor allem zu Beginn viel darüber, was Güney für ihn persönlich bedeutet und wieso er diesen Film überhaupt gemacht hat.

Ein weiteres großes Plus ist die Vielzahl an Wegbegleitern, Familienmitgliedern und Freunden Güneys, die Intimes und Interessantes über den späteren Cannes-Preisträger zu berichten wissen. Darunter etwa frühere Mitgefangene, Güneys Mutter, Ex-Frauen oder auch Gilles Jacob, einer der bedeutendsten französischen Kritiker und Filmproduzenten, der die Cannes-Festspiele von 2001 bis 2014 leitete.

Fazit: Besonnenes, vielschichtiges Porträt über einen beeindruckenden Mann, angereichert mit fesselndem Archivmaterial und intimen Äußerungen diverser Weggefährten.




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