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Pfahl in meinem Fleisch (1969)

Bara no Sōretsu

Experimentelles Drama: Eine Drag-Queen in der japanischen Hauptstadt der 1960er Jahre wird mit ihrer tragischen Familiengeschichte konfrontiert.Kritiker-Film-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5
User-Film-Bewertung [?]: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 3.0 / 5

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Eddie (Pîtâ) ist als Drag-Queen in einem Nachtclub in Tokio tätig, welcher von dem Drogendealer Gonda (Yoshio Tsuchiya) geleitet wird. Leda (Osamu Ogasawara) hat in dem Etablissement als "Mama" das Sagen unter den Drag-Queens, erkennt in Eddie aber eine gefährliche Konkurrentin. Sowohl Eddie als auch Leda haben eine Liaison mit Gonda – doch Leda wird von Gonda immer abweisender behandelt.

Während sich Eddie einerseits dem urbanen (Nacht-)Leben hingibt und an Drogenpartys teilnimmt, wird sie andererseits von Erinnerungen an ihre Kindheit geplagt, in der sie einen Doppelmord beging. Ihr Vater hatte sie einst früh verlassen; ihre spöttische Mutter (Emiko Azuma) hatte sich rasch einen Geliebten gesucht, woraufhin Eddie die Mutter samt Liebhaber umbrachte. Alsbald wird Eddie von ihrer Vergangenheit eingeholt.

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Filmkritikunterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse4 / 5

"Pfahl in meinem Fleisch" von Toshio Matsumoto (1932-2017) ist ein experimentelles, wildes Stück Queer Cinema aus dem Jahre 1969, das unter seinem internationalen Titel "The Funeral Parade of Roses" in restaurierter 4K-Fassung erstmals in deutschen Lichtspielhäusern gezeigt wird. Der japanische Filmemacher, Videokünstler und Fotograf taucht darin in die queere Subkultur seiner Zeit ein und liefert eine moderne Interpretation von Sophokles' "König Ödipus".

Mit seinem Kameramann Tatsuo Suzuki fängt Matsumoto in eleganten Schwarz-Weiß-Aufnahmen das Leben und Umfeld der Drag-Queen Eddie ein. Das Werk wartet mit Rückblenden und Wiederholungen, mit Zwischentiteln und Jump Cuts sowie mit einigen Spezialeffekten auf und sorgt unter anderem mit eingestreuten Interviews, in denen sich etwa Cast-Mitglieder zu ihren Rollen äußern, für einen zusätzlichen Verfremdungseffekt. "Pfahl in meinem Fleisch" atmet spürbar den Geist der Nouvelle Vague und hat zugleich spätere Kino-Arbeiten maßgeblich beeinflusst: Die im Zeitraffer präsentierten, mit klassischen Klängen unterlegten Einlagen, die unweigerlich slapstickhaft anmuten, dienten beispielsweise Stanley Kubrick als Inspiration für dessen Anthony-Burgess-Adaption "Uhrwerk Orange" (1971). Die Furchtlosigkeit in der Behandlung queerer Themen ist im historisch-kulturellen Kontext äußerst bemerkenswert.

Das Fiktionale und das Dokumentarische gehen in Matsumotos assoziativ gestalteter Milieubetrachtung fließend ineinander über. So fand etwa der 1952 geborene Hauptdarsteller Shinnosuke Ikehata alias Pîtâ beziehungsweise Peter, der hier sein Debüt als Filmschauspieler gab, in der Verkörperung einer jungen Drag-Queen zu seinem Image, das er in Werken wie "Die Früchte der Leidenschaft" (1981) und zahlreichen TV-Auftritten weiter ausbaute und so zu einer der bekanntesten japanischen Drag-Queens avancierte.

Fazit: Ein beachtliches, einnehmend fotografiertes Zeitdokument, das sich durch Mut und Freude am stilistischen Experimentieren auszeichnet.




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Land: Japan
Jahr: 1969
Genre: Drama
Länge: 105 Minuten
Kinostart: 18.10.2018
Regie: Toshio Matsumoto
Darsteller: Pîtâ als Eddie, Osamu Ogasawara als Leda, Yoshimi Jô als Jimi
Verleih: Rapid Eye Movies

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