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Pfahl in meinem Fleisch
Pfahl in meinem Fleisch
© Rapid Eye Movies

Kritik: Pfahl in meinem Fleisch (1969)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5

"Pfahl in meinem Fleisch" von Toshio Matsumoto (1932-2017) ist ein experimentelles, wildes Stück Queer Cinema aus dem Jahre 1969, das unter seinem internationalen Titel "The Funeral Parade of Roses" in restaurierter 4K-Fassung erstmals in deutschen Lichtspielhäusern gezeigt wird. Der japanische Filmemacher, Videokünstler und Fotograf taucht darin in die queere Subkultur seiner Zeit ein und liefert eine moderne Interpretation von Sophokles' "König Ödipus".

Mit seinem Kameramann Tatsuo Suzuki fängt Matsumoto in eleganten Schwarz-Weiß-Aufnahmen das Leben und Umfeld der Drag-Queen Eddie ein. Das Werk wartet mit Rückblenden und Wiederholungen, mit Zwischentiteln und Jump Cuts sowie mit einigen Spezialeffekten auf und sorgt unter anderem mit eingestreuten Interviews, in denen sich etwa Cast-Mitglieder zu ihren Rollen äußern, für einen zusätzlichen Verfremdungseffekt. "Pfahl in meinem Fleisch" atmet spürbar den Geist der Nouvelle Vague und hat zugleich spätere Kino-Arbeiten maßgeblich beeinflusst: Die im Zeitraffer präsentierten, mit klassischen Klängen unterlegten Einlagen, die unweigerlich slapstickhaft anmuten, dienten beispielsweise Stanley Kubrick als Inspiration für dessen Anthony-Burgess-Adaption "Uhrwerk Orange" (1971). Die Furchtlosigkeit in der Behandlung queerer Themen ist im historisch-kulturellen Kontext äußerst bemerkenswert.

Das Fiktionale und das Dokumentarische gehen in Matsumotos assoziativ gestalteter Milieubetrachtung fließend ineinander über. So fand etwa der 1952 geborene Hauptdarsteller Shinnosuke Ikehata alias Pîtâ beziehungsweise Peter, der hier sein Debüt als Filmschauspieler gab, in der Verkörperung einer jungen Drag-Queen zu seinem Image, das er in Werken wie "Die Früchte der Leidenschaft" (1981) und zahlreichen TV-Auftritten weiter ausbaute und so zu einer der bekanntesten japanischen Drag-Queens avancierte.

Fazit: Ein beachtliches, einnehmend fotografiertes Zeitdokument, das sich durch Mut und Freude am stilistischen Experimentieren auszeichnet.




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