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Kritik: Projekt: Antarktis (2018)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 2 / 5

"Jeder hat seine eigene Antarktis, was ist deine?", fragt die Erzählstimme von Dennis Vogt. Der Student und Filmemacher plädiert am Schluss dieses Dokumentarfilms nachdrücklich dafür, dass jeder Mensch versuchen soll, seinen persönlichen Traum zu verwirklichen. Vogt und seine beiden Freunde Tim David Müller-Zitzke und Michael Ginzburg haben sich der Herausforderung gestellt, die Antarktis zu besuchen und einen Kinofilm über die Expedition zu drehen. Das Projekt, für das sie erst mühsam Sponsoren finden mussten, gerät unterwegs in stürmische Gewässer, auch im wörtlichen Sinn. Komplikationen gefährden das Gelingen und drücken dem Film ihren Stempel auf. Dennoch finden die drei jungen Filmemacher, dass sich der Aufwand gelohnt hat, schon wegen der Erfahrung, eine wirklich große Aufgabe durchzuziehen.

Nicht so sehr die kurzen Ausflüge auf die Antarktische Halbinsel selbst prägen diesen Film, sondern die Reise dorthin. Man erfährt, dass die tagelange Schiffsfahrt durch die Drake-Passage eine stürmische Strapaze darstellt. Wer antarktischen Boden betreten will, muss Reinigung und Desinfektion über sich ergehen lassen, um den eisigen Kontinent vor der Gefahr eingeschleppter Organismen und Keime zu schützen. Es ist sicher wichtig, solche Dinge zu hören und zu erkennen, dass die Antarktis nicht einfach ein touristisches Ziel unter vielen, sondern auch in unserer globalisierten, mobilen Welt sehr weit weg und nur eingeschränkt erreichbar ist.

Und doch ist die Einstellung, dass es allein vom eigenen Willen abhängen soll, ob ein Reiseziel erreichbar, ein Abenteuer machbar ist, das zentrale Thema des Films. Ungläubiges Staunen darüber, dass sich der argentinische Zoll in Buenos Aires nicht wie erwartet verhält und den Ablauf, ja sogar die Reise an sich torpedieren kann, füllt viele Filmminuten. Dass man unterwegs krank werden kann, ist auch eine Überraschung für die jungen Männer und wenn die Kamera dann auf antarktischem Boden den Geist aufgibt, gibt es einen weiteren Grund, sich zu wundern und zu ärgern. Dennoch werden die Zuschauer mit einigen sehr schönen, wenn auch kurzen Aufnahmen der Eisberge im fast schwarzen Wasser, der Pinguine, des Lichts über der Schneelandschaft belohnt. Über dem insgesamt durchwachsenen Filmerlebnis schwebt die Frage, wie relevant es ist, wenn drei filmbegeisterte, aber ziemlich unerfahrene junge Leute mit viel Aufwand die Antarktis besuchen.

Fazit: In ihrem Dokumentarfilm schildern Michael Ginzburg, Tim David Müller-Zitzke und Dennis Vogt das Abenteuer ihrer Reise in die Antarktis. Die drei jungen Freunde, die sich mit Fotografie und Film beschäftigen, wollen ihren Traum verwirklichen, auf dem Eis des südlichsten Kontinents zu drehen. Sie haben die finanziellen Mittel aufgetrieben, investieren viel Zeit und Arbeit und werden von einer Reihe unvorhergesehener Schwierigkeiten auf die Probe gestellt. So nimmt im Film der weiße Kontinent selbst weniger Raum ein als der längst nicht immer spannende Weg dorthin.




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