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Sorry Angel
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© Salzgeber & Co. Medien GmbH

Kritik: Sorry Angel (2018)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5

In seiner neuen Arbeit "Sorry Angel" befasst sich der französische Drehbuchautor und Regisseur Christophe Honoré ("Meine Mutter", "Chanson der Liebe") mit dem Lebensgefühl in den frühen 1990er Jahren in Frankreich, als sich die Aids-Krise in ihrer Hochphase befindet und zum Tod vieler Menschen, insbesondere schwuler Männer, führt. Auf melancholische und zärtliche Weise fängt er ein, wie der Student Arthur und der HIV-positive Schriftsteller Jacques sich begegnen und wie die beiden eine große Faszination füreinander entwickeln.

Da der 1970 geborene Honoré wie der etwa gleichaltrige Arthur aus der Bretagne stammt, zudem ebenfalls in Rennes studierte und mit Anfang 20 nach Paris ging, um sich dort als Autor und Regisseur zu verwirklichen, lässt sich "Sorry Angel" durchaus als Werk mit autobiografischen Zügen interpretieren. Der Blick auf die damalige Zeit – auf die Mode, die Musik, das Kino, die Formen der Kommunikation und des Kennenlernens in der Prä-Internet-Welt – ist liebevoll, aber nicht verklärend. Die Bilder, die Honoré mit seinem Kameramann Rémy Chevrin erzeugt, sind wunderschön komponiert – sei es im Rahmen des nächtlichen Cruisings oder beim Herumalbern zu dritt im Wohn- und Schlafzimmer. Immer wieder erschaffen das Skript und die Inszenierung zutiefst berührende Momente, zum Beispiel wenn sich Jacques um seinen todkranken Ex-Geliebten Marco kümmert oder wenn sich Jacques am Ende der Erzählung von seinem besten Freund Mathieu verabschiedet. Die Zeichnung der Figuren und des Milieus steckt voller Details; der Film erlaubt sich zahlreiche Seitenblicke und Abschweifungen.

Die Liebenden im Zentrum werden von Pierre Deladonchamps ("Der Fremde am See", "Die kanadische Reise") und Vincent Lacoste ("Jungs bleiben Jungs", "Jacky im Königreich der Frauen") mit Hingabe verkörpert. Es wird erkennbar, dass Arthur womöglich zum ersten Mal wirklich verliebt ist – und dass Jacques mit dieser Liebe nicht mehr umzugehen weiß. Aus diesem tragischen Stoff machen Honoré und sein Schauspiel-Duo eine einnehmende Geschichte um Zuneigung und Zurückweisung, unverhoffte Glücksmomente und Schmerz.

Fazit: Ein hervorragend gefilmtes und feinsinnig gespieltes Drama, das sich dem Zeitgeist der beginnenden 1990er Jahre im urbanen Frankreich widmet.




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