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Genesis 2.0
Genesis 2.0
© Rise and Shine Films GmbH

Kritik: Genesis 2.0 (2018)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5

Der Plot dieses Dokumentarfilms klingt wie Science-Fiction, erinnert er doch an Michael Chrichtons Roman "Jurassic Park" (1990) und Steven Spielbergs gleichnamige Verfilmung. So irrsinnig die Ideen der Wissenschaftler auch anmuten, sie sind näher an der Realität, als manch einer glauben mag. Von der Lebenswirklichkeit der Mammutjäger könnten sie indes kaum weiter entfernt liegen.

Regisseur Christian Frei (Oscarnominierung für "War Photographer", 2001) hat seinen jüngsten Dokumentarfilm wie ein Zwiegespräch der Gegensätze arrangiert. "Genesis 2.0" ist ein Dialog zwischen Vergangenheit und Zukunft, zwischen archaisch anmutender Natur und steriler Wissenschaft, zwischen Schamanismus betreibenden Schatzsuchern und euphorischen Gentechnikern, die beide auf ihre Art Goldgräber sind. Der Inhalt spiegelt die Form, denn auch Frei und sein Koregisseur Maxim Arbugaev korrespondieren miteinander, halten sich über ihre Dreharbeiten auf dem Laufenden. Während der Schweizer seine E-Mails in Hotelzimmern in die Tasten tippt, liegt sein Kollege auf den Neusibirischen Inseln bibbernd im Zelt.

Es sind diese krassen Kontraste, die "Genesis 2.0" so sehenswert machen. Hier die Glücksritter, die für ein paar lausige Dollars in der Wildnis ihr Leben riskieren, dort die Wissenschaftler, die längst vergangenes Leben wiedererwecken wollen und in der Beschäftigung mit dem Erbgut auch immer ein Milliardengeschäft wittern. Fragen drängen sich auf: Sollten wir die Vergangenheit ruhen oder wiederauferstehen lassen? Welche Chancen und Risiken liegen im Klonen im Speziellen, welche in der Gentechnik und der Synthetischen Biologie im Allgemeinen? Was treibt diese Forscher an? Tun sie das, was sie tun, nur, weil sie es können?

Frei und Arbugaev lassen das Publikum an ihren Gedanken teilhaben, überlassen ihm dabei aber ein eigenes Urteil. Arbugaevs Landschaftsaufnahmen sind grandios, der Erzählton ist lakonisch, die Dramaturgie geschickt und überraschend. "Genesis 2.0" ist ein Dokumentarfilm zwischen altem Glauben und moderner Technik, zwischen Euphorie und Skepsis, zwischen Respekt vor dem Leben und schöpferischer Hybris – spannend wie ein Wissenschaftsthriller und bildgewaltig wie ein Blockbuster.

Fazit: "Genesis 2.0" ist ein bildgewaltiger Dokumentarfilm voll irrwitziger Entwicklungen und drängender Fragen. Ein dokumentarischer Dialog zwischen Natur und Technik, Machbarkeit und Verantwortung – spannend wie ein Thriller, imposant wie ein Blockbuster.




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