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#Female Pleasure
#Female Pleasure
© X Verleih © Warner Bros.

Kritik: #Female Pleasure (2018)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5

Barbara Millers letzter Kinodokumentarfilm "Forbidden Voices" (2012) widmete sich drei Bloggerinnen, die sich allein schon deshalb in Gefahr begeben, weil sie sich für Menschenrechte und Meinungsfreiheit einsetzen. "#Female Pleasure" begleitet nun fünf ebenso mutige Frauen in ihrem Kampf für mehr sexuelle Selbstbestimmung. Der Hass, der ihnen entgegenschlägt, ist erschütternd und zutiefst besorgniserregend.

Vor Beginn der Dreharbeiten stellte sich Miller eine Frage: "Welches System, welche Strukturen stecken dahinter, dass Frauen auf der ganzen Welt ihre Sexualität nicht frei leben können oder wenn sie es tun, verfolgt, geächtet oder diffamiert werden?" Die Antwort lässt nicht lange auf sich warten. Eine kurze Eingangsmontage zeigt verhüllte und entblößte Frauenkörper, von klugen Voice-over-Kommentaren der fünf Protagonistinnen und etwas zu dunkel dräuender Musik unterlegt. Deren Fazit: Schuld ist das Patriarchat, "die universelle Religion", wie Aktivistin Leyla Hussein es zugespitzt formuliert.

All jene, die glauben, die Unterdrückung der Frau sei lediglich ein Problem nicht-säkularisierter Gesellschaften, werden hier zügig eines Besseren belehrt. Ob Religionen den weiblichen Körper als Obszönität verdammen, Frauen wahlweise zu Heiligen verklären oder als Huren brandmarken oder ob die Werbe- und Pornoindustrie deren Körper hypersexualisiert, zu Waren, zum bloßen Objekt degradiert – in Millers Montage erscheint das nicht wie ein Gegensatz, sondern wie zwei Pole, die auf einer frauenfeindlichen Skala lediglich an den entgegengesetzten Enden liegen.

Millers Fokus liegt dennoch klar auf dem Einfluss der fünf Weltreligionen, da die persönlichen Erfahrungen der vorgestellten Frauen mal mehr, mal weniger mit dem Glauben zu tun haben. "#Female Pleasure" legt die nicht immer logischen, teils perfiden Denkmuster religiöser Machtstrukturen nüchtern offen. Was der Analyse dadurch ein wenig abgeht, ist deren Übertragung auf die aufgeklärte Welt. Wie sich das vor langer Zeit etablierte religiöse Patriarchat auch in der nicht-klerikalen, der sozialen, politischen, ökonomischen Sphäre verfestigt hat, müssen die Zuschauer selbst zu Ende denken.

Die Gegenseite, Glaubensvertreter etwa oder Männer in Machtpositionen, kommt nicht zu Wort. Das ist ein klares Statement und auch gut so. Schließlich ist es an der Zeit, endlich einmal den Frauen zuzuhören. Die fünf in Millers Film sind nicht nur faszinierende, bewundernswerte und starke Persönlichkeiten, ihre mutige Arbeit macht auch Hoffnung. Bei jungen Männern, die ihre Bücher lesen, die ihre Kunst, Performances und Aufklärungsarbeit sehen, setzt ein Umdenken ein. Auch das zeigt "#Female Pleasure". "Es kann sich nicht zuerst ein Geschlecht ändern. Das ist ein Zusammenwirken. Wir müssen uns alle ändern", sagt Deborah Feldman an einer Stelle. Dafür sind offene Foren ohne Sprech- und Denkverbote wie Millers Film notwendig, die die Missstände nicht hinter Euphemismen verstecken, sondern klar beim Namen nennen.

Fazit: "#Female Pleasure" ist ein wichtiger Debattenbeitrag zur sexuellen Selbstbestimmung der Frau. Die Erkenntnisse sind zwar nicht alle neu, aber treffend. So besorgniserregend die Lage auch scheint, die Arbeit der fünf im Film vorgestellten Frauen macht Hoffnung auf Besserung.




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