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Blue my mind
Blue my mind
© eksystent distribution filmverleih

Kritik: Blue my mind (2017)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 3 / 5

Die Pubertät ist eine verwirrende Zeit. Körper und Geist verändern sich. Jugendliche wissen oft nicht wohin, mit ihrem Gefühlchaos. Viele Eltern sind mit all der frei werdenden Energie überfordert. Coming-of-Age-Filme leben von dieser Reibung zwischen den Generationen, vom Aufbegehren der Jungen gegen die Alten. Darauf setzt auch Lisa Brühlmann in ihrem Langfilmdebüt, gewinnt der unzählige Male durchgespielten Geschichte aber eine zusätzliche, eine fantastische Facette ab.

Brühlmann denkt die Wandlung doppelt, wörtlich und im übertragenen Sinn. Ihre Protagonistin entwickelt sich nicht nur von einer Jugendlichen zur Frau, sondern zu einer Meerjungfrau. Das erinnert an Märchen, an körperliche Auswüchse aus Horror-, Fantasy- oder Mysteryfilmen. Und doch bleibt "Blue my mind" tief in der Wirklichkeit verwurzelt. Zwar nistet sich das Fantastische ganz behutsam darin ein, verkommt aber nie zum Selbstzweck. Brühlmanns Drehbuch handelt bis zuletzt von den Schwierigkeiten des Erwachsenwerdens und weniger vom Grusel und Horror, wie ihn vergleichbare Produktionen wie "When Animals Dream" (2014), "Raw" (2016) oder "Wildling" (2018) pflegen.

Der Blick der Schweizer Regisseurin auf die junge Generation ist präzise. "Blu my mind" erzählt von einer Welt voller sozialer Zwänge, in der sich (zu) vieles um unerreichbare Schönheitsideale, um falsch verstandene Liebe und um längst überwunden geglaubte Rollenbilder dreht. In den Hauptrollen glänzen Zoë Pastelle Holthuizen und Luna Wedler, die in den deutschen Kinos bereits als Roxy in Aron Lehmanns "Cyrano de Bergerac"-Adaption "Das schönste Mädchen der Welt" (2018) zu sehen war. Gabriel Lobos agile Kamera ist dicht dran, wenn sie als Mia ihre Grenzen austestet und am Ende radikaler agiert als die jungen Frauen, die sie beeindrucken will.

Brühlmann reproduziert das Meerjungfrauen-Motiv aber nicht nur, sie variiert es klug. Ihre Mia ist weder männermordende Nixe noch hilfsbedürftiges Wesen, das der Erlösung durch die Liebe bedarf. Am ehesten noch ist sie schützende Wasserfrau, letztlich aber Brühlmanns ganz eigene Version einer fantastisch angehauchten Ermächtigungsfantasie auf dem gewundenen Weg der Adoleszenz.

Fazit: Lisa Brühlmanns Langfilmdebüt ist ein dicht inszeniertes Coming-of-Age-Drama mit fantasievoll eingeschobenen fantastischen Elementen. Der Schweizer Regisseurin und Drehbuchautorin ist ein intensives Porträt einer Generation geglückt, an dessen Ende eine junge Frau sich den gesellschaftlichen Zwängen entzieht und sie selbst bleiben darf.




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