oder

Whatever happens next (2018)

Deutsches Roadmovie über einen Aussteiger und die Menschen, denen er begegnet.Kritiker-Film-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5
User-Film-Bewertung [?]: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4.3 / 5

Filmsterne von 1 bis 5 dürfen vergeben werden, wobei 1 die schlechteste und 5 die beste mögliche Bewertung ist. Es haben insgesamt 4 Besucher eine Bewertung abgegeben.


Paul Zeise (Sebastian Rudolph) ist 43 Jahre alt, verheiratet, berufstätig. Er fährt mit dem Rad zur Arbeit, steigt draußen im Grünen spontan ab, geht zu Fuß in Richtung Wald. So kehrt er seinem bürgerlichen Leben den Rücken. Drei Monate später öffnet er auf einem Parkplatz eine unverschlossene Autotür, setzt sich auf den Beifahrersitz. Als der Besitzer zurückkehrt, fordert er ihn auf, loszufahren, wohin auch immer.

Als Nächstes betritt Paul eine Gaststätte, in der eine Beerdigungsfeier stattfindet. Wie selbstverständlich mischt er sich unter die Gäste, fängt ein Gespräch mit einer dementen Frau an. Seine Reise wird ihn bald nach Polen führen. Wieder in Deutschland, fährt er mit der 29-jährigen Nele (Lilith Stangenberg) mit. Pauls Frau Luise (Christine Hoppe) hat den Privatdetektiv Ulrich (Peter René Lüdicke) angeheuert, der glaubt, dass sich Paul in Kiel aufhält. Werden sich Luise und Paul dort begegnen?

Bildergalerie zum Film

Whatever happens nextWhatever happens nextWhatever happens nextWhatever happens nextWhatever happens nextWhatever happens next


Filmkritikunterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse4 / 5

Das Spielfilmdebüt des Regisseurs und Drehbuchautors Julian Pörksen hätte eigentlich besser im Sommer in die Kinos kommen sollen. Denn es ist ein sommerliches, versponnenes Roadmovie, in dem sich der Held nach seinem Ausbruch aus dem geregelten Alltag treiben lässt, von einer Begegnung, die ein wenig Essen und Spaß verspricht, zur nächsten. Dabei folgt er der titelgebenden Devise, die auf einen Spruch des Musikers John Cage zurückgeht: "I welcome whatever happens next."

Paul ist ein Narr, eine Figur, die wie erfunden zu sein scheint, um den anderen einen Spiegel vorzuhalten, ihre Gewissheiten ins Taumeln zu bringen. Er hat stets ein provozierend fröhliches Grinsen im Gesicht, als würde er über den Dingen stehen und milde auf diejenigen herabschauen, die sich den Kopf über irgendwelche Regeln zerbrechen. Er gesellt sich zu einer Party und lädt den Gastgeber, den Studenten Flo (Eike Weinreich), am nächsten Morgen zum Frühstück in seiner eigenen Küche ein. Auf dessen irritierte Fragen, wer er sei und was er da mache, entgegnet Paul unbekümmert, er solle sich entspannen.

Paul ist eine anachronistische Figur, er irrt als lockerer Habenichts durch eine Ära, die in Sachen Entspanntheit von der Flower-Power-Generation nicht weiter weg sein könnte. Und sich doch insgeheim nach dem Ausbruch aus dem eigenen Verhaltenskorsett sehnt. Selbst die demente alte Frau bringt nicht genug Lockerheit auf, um ihren Wunsch, ins Kino zu gehen, mit Paul zu verwirklichen. Paul ist auch eine Retterfigur, er steht Menschen bei, bringt ein wenig Glück oder Trost in ihr oft einsames Leben. So harrt er in Polen am Sterbebett eines Fremden aus.

Nur mit der Liebe will es nicht so richtig klappen, im Leben eines Drifters scheint sie keinen Platz zu haben. Lilith Stangenberg spielt die junge, bindungsscheue Nele großartig, die Paul den Kopf verdreht. Die Parallelhandlung mit dem einsamen Detektiv, der sich in Pauls Frau verguckt, verdoppelt das Motiv des Suchens und Herumirrens. Der Film lässt seinen Figuren, vor allem Paul, ihre Geheimnisse, er erhebt nicht den Anspruch, sie restlos zu verstehen. So verstärkt sich der eigentümliche Reiz dieses Roadmovies, dem es erstaunlich gut gelingt, die Zuschauer gefühlsmäßig mitzunehmen.

Fazit: Das Spielfilmdebüt des deutschen Regisseurs Julian Pörksen ist ein reizvolles Roadmovie, das die Fantasie der Zuschauers mit auf die Reise nimmt. Die Hauptfigur eines Aussteigers, der sich von Begegnung zu Begegnung treiben lässt, ähnelt einem Narren, der der bürgerlichen Welt einen Spiegel vorhält und ihre Normen hinterfragt. Die wohltuende Erkenntnis des Films ist, dass der Narr nie mit leeren Händen kommt, sondern den Menschen die Gelegenheit bietet, sich locker zu machen.




FBW-BewertungJurybegründung anzeigen

FBW: besonders wertvollPaul steigt aus. Sofort. Radikal. Er lässt sein Fahrrad am Wegesrand stehen und lebt von nun an in den Tag hinein. So beginnt das Debüt des aus einer Freiburger Theaterfamilie stammenden Autor, Regisseur und Dramaturg Julian Pörksen, das seine [...mehr]

TrailerAlle anzeigen

Zum Video: Whatever happens next

Filminfos & CreditsAlles anzeigen

Land: Deutschland
Jahr: 2018
Genre: Roadmovie
Länge: 102 Minuten
FSK: 6
Kinostart: 08.11.2018
Regie: Julian Pörksen
Darsteller: Sebastian Rudolph, Lilith Stangenberg, Peter-René Lüdicke
Verleih: barnsteiner-film, StoryBay

Verknüpfungen zum FilmAlle anzeigen





Spielfilm.de-Mitglied werden oder einloggen.