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Whatever happens next
Whatever happens next
© barnsteiner-film

Kritik: Whatever happens next (2018)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5

Das Spielfilmdebüt des Regisseurs und Drehbuchautors Julian Pörksen hätte eigentlich besser im Sommer in die Kinos kommen sollen. Denn es ist ein sommerliches, versponnenes Roadmovie, in dem sich der Held nach seinem Ausbruch aus dem geregelten Alltag treiben lässt, von einer Begegnung, die ein wenig Essen und Spaß verspricht, zur nächsten. Dabei folgt er der titelgebenden Devise, die auf einen Spruch des Musikers John Cage zurückgeht: "I welcome whatever happens next."

Paul ist ein Narr, eine Figur, die wie erfunden zu sein scheint, um den anderen einen Spiegel vorzuhalten, ihre Gewissheiten ins Taumeln zu bringen. Er hat stets ein provozierend fröhliches Grinsen im Gesicht, als würde er über den Dingen stehen und milde auf diejenigen herabschauen, die sich den Kopf über irgendwelche Regeln zerbrechen. Er gesellt sich zu einer Party und lädt den Gastgeber, den Studenten Flo (Eike Weinreich), am nächsten Morgen zum Frühstück in seiner eigenen Küche ein. Auf dessen irritierte Fragen, wer er sei und was er da mache, entgegnet Paul unbekümmert, er solle sich entspannen.

Paul ist eine anachronistische Figur, er irrt als lockerer Habenichts durch eine Ära, die in Sachen Entspanntheit von der Flower-Power-Generation nicht weiter weg sein könnte. Und sich doch insgeheim nach dem Ausbruch aus dem eigenen Verhaltenskorsett sehnt. Selbst die demente alte Frau bringt nicht genug Lockerheit auf, um ihren Wunsch, ins Kino zu gehen, mit Paul zu verwirklichen. Paul ist auch eine Retterfigur, er steht Menschen bei, bringt ein wenig Glück oder Trost in ihr oft einsames Leben. So harrt er in Polen am Sterbebett eines Fremden aus.

Nur mit der Liebe will es nicht so richtig klappen, im Leben eines Drifters scheint sie keinen Platz zu haben. Lilith Stangenberg spielt die junge, bindungsscheue Nele großartig, die Paul den Kopf verdreht. Die Parallelhandlung mit dem einsamen Detektiv, der sich in Pauls Frau verguckt, verdoppelt das Motiv des Suchens und Herumirrens. Der Film lässt seinen Figuren, vor allem Paul, ihre Geheimnisse, er erhebt nicht den Anspruch, sie restlos zu verstehen. So verstärkt sich der eigentümliche Reiz dieses Roadmovies, dem es erstaunlich gut gelingt, die Zuschauer gefühlsmäßig mitzunehmen.

Fazit: Das Spielfilmdebüt des deutschen Regisseurs Julian Pörksen ist ein reizvolles Roadmovie, das die Fantasie der Zuschauers mit auf die Reise nimmt. Die Hauptfigur eines Aussteigers, der sich von Begegnung zu Begegnung treiben lässt, ähnelt einem Narren, der der bürgerlichen Welt einen Spiegel vorhält und ihre Normen hinterfragt. Die wohltuende Erkenntnis des Films ist, dass der Narr nie mit leeren Händen kommt, sondern den Menschen die Gelegenheit bietet, sich locker zu machen.




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