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Hans Blumenberg - Der unsichtbare Philosoph
Hans Blumenberg - Der unsichtbare Philosoph
© Real Fiction

Kritik: Hans Blumenberg - Der unsichtbare Philosoph (2018)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 3 / 5

Der Dokumentarfilm von Christoph Rüter begibt sich auf die Spuren eines Mannes, der Zeit seines Lebens Wert darauf legte, der Allgemeinheit nur durch sein Werk, nicht als Person bekannt zu werden. Seine Freitagsvorlesungen in Münster aber zogen bis zur seiner Emeritierung 1985 Studenten und interessierte Bürger an, die seine lebhafte Rede als hochintellektuell und dennoch unterhaltsam genossen. Vor und nach den Vorlesungen war er für die Studenten nicht zu sprechen. Von Seminaren hielt er nichts, mit der Begründung, dass sich darin nur diejenigen mit Philosophie befassten, die nicht wüssten, wie das geht. Gerade weil ihnen der 1996 verstorbene Philosoph als Mensch so rätselhaft blieb, begeben sich drei ehemalige Studenten – zu denen auch Rüter gehört – und ein Wissenschaftler auf diese biografische Forschungsreise.

So entsteht ein philosophisches Roadmovie, in dem die kleine Gruppe unterwegs diskutiert, weitere kundige Personen und Experten aufsucht. Zu diesen gehören Blumenbergs Tochter und Nachlassverwalterin Bettina Blumenberg und zwei Wissenschaftler der jüngeren Generation. Welche Rolle spielte der Begriff der Höhle nicht nur in seinem Werk, sondern in seinem Leben? Die Gespräche verweisen auf sein Leben im Versteck auf einem Dachboden in den letzten Kriegswochen, sicherlich eine prägende Erfahrung. Des öfteren ist davon die Rede, wie sehr Blumenberg die Nachdenklichkeit pries, die eine gewisse Distanz zur kruden Wirklichkeit schafft.

Wer Blumenbergs Werk nicht kennt und auch sonst in der Philosophie nicht bewandert ist, wird sich mit diesem Film schwertun. Er richtet sich ja auch an den Kreis der Anhänger oder Bewunderer dieses Philosophen. Leider bleibt vieles, was in Archiven aufgestöbert, wovon geredet wird, ohne Einordnung im Raum stehen. Die Diskussionsgruppe tastet sich zaghaft, ganz im Sinne des auf Abstand bedachten Philosophen an diesen heran. Zu den spannendsten Szenen dieser filmischen Annäherung gehören aus dem Off eingespielte Passagen aus Blumenbergs Vorlesungen. Darin heißt es, dem Menschen sei es im Leben nicht vergönnt, mehr als nur ein Fragment eines Ganzen kennenzulernen. Der Philosoph darf in diesem Film ebenfalls einen guten Teil seiner geheimnisvollen Aura behalten.

Fazit: In Christoph Rüters Dokumentarfilm diskutieren Wissenschaftler und ehemalige Studenten des 1996 verstorbenen Philosophen Hans Blumenberg über sein Werk, die Faszination, die es auf sie ausübt, und die möglichen Gründe für sein zurückgezogenes Leben. Zugleich begibt sich der Film auf eine Reise zu den Orten, an denen er wohnte und wirkte, besucht Weggefährten und Experten. Indem die Diskutierenden nach Verbindungen zwischen Biografie und Werk suchen, werfen sie ein wenig Licht auf die relativ unbekannte Persönlichkeit des Philosophen. Der Film, der hauptsächlich für die Leser seiner Werke aufschlussreich sein dürfte, versucht tapfer, auf allgemein verständliche Weise über Philosophie zu diskutieren.




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