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Zoros Solo
Zoros Solo
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Kritik: Zoros Solo (2019)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 3 / 5

Der afghanische Junge Zoro ist unglücklich im schwäbischen Liebigheim, weil sein Vater in Ungarn festsitzt und vom Rest der Familie in Deutschland getrennt ist. Zoro rebelliert wie ein Halbstarker, hält sich nicht an Regeln und zeigt keinerlei Respekt vor Erwachsenen wie der Chorlehrerin Frau Lehmann. Aber viele Bewohner der Kleinstadt zeigen auch deutlich, dass sie Flüchtlinge nicht willkommen heißen. Vor der Schule demonstrieren einheimische Frauen gegen die Fremden und beschimpfen sie. Und Frau Lehmann findet es nicht gut, dass der Pfarrer einer Gruppe von Menschen Kirchenasyl gewährt. Wenn der 13-jährige Zoro Frau Lehmann mit obszönen Flüchen bedenkt, kontert sie auf eine derbe Art, die ihn überrascht. Aber die Musik schlägt eine erste Brücke über den gegenseitigen Graben der Abneigung.

Das Langfilmdebüt des Regisseurs Martin Busker, der mit Fabian Hebestreit auch das Drehbuch schrieb, scheut nicht vor ruppigen, politisch unkorrekten Dialogen zurück. Es zeigt das hässliche Gesicht der Fremdenfeindlichkeit, das im fiktionalen Liebigheim wie in vielen realen deutschen Städten Bürger auf die Straße treibt. Zoro ist kein sympathisches Kind, sondern ein rotzfrecher Bengel, der Frauen nicht respektiert und Schwule verachtet. Aber er ist lernfähig, humorvoll und empfänglich für Gesten der Anteilnahme. Dass ihm der Film ausgerechnet einen Lernprozess zumutet, der mit der Teilnahme an einem christlichen Knabenchor verbunden ist, zeugt von der Vorliebe des Drehbuchs für starke Gegensätze. Die Folge ist eine recht holprige Handlung, die von Zoro verlangt, einen raschen und dadurch auch ein wenig unglaubwürdigen Spagat zu vollziehen.

Zum holprigen Eindruck zählt auch die Figur der Frau Lehmann. Sie ist ebenfalls nicht besonders sympathisch gezeichnet, soll aber witzig wirken und bleibt als Mensch bis zum Schluss ein wenig rätselhaft. Sympathiepunkte darf dafür Julian sammeln, der sanfte, freundliche Chorknabe, der sich von Zoros aggressiver Art nicht abschrecken lässt. Dieser Charakter ist sogar allzu positiv geraten aus der dramaturgischen Absicht heraus, Zoro mit seinen Vorurteilen und seinem Misstrauen zu konfrontieren. Für einen Kinderfilm sind die angeschnittenen Themen ziemlich ehrgeizig. Auch wenn die Ausarbeitung zu wünschen übrig lässt, wird das Publikum zumindest nicht mit seichter Kost abgespeist.

Fazit: Regisseur Martin Busker erzählt in diesem Kinderfilm von den Nöten eines afghanischen Flüchtlingsjungen und seinen Konflikten mit seiner deutschen Umgebung. In ungewöhnlich rauer Sprache markieren die Kontrahenten ihre Fronten, der 13-Jährige beschimpft Erwachsene, besonders Frauen, aggressiv und die Leiterin des christlichen Knabenchors lässt alles kalt, was nicht mit Singen zu tun hat. Wie so oft aber bringt die Musik die Menschen einander näher. Weil es so sehr mit starken Gegensätzen wie halbstarke Posen und engelsgleiche Chorlieder, kulturelle Vorbehalte und Toleranz arbeitet, wirkt das ehrgeizige und durchaus spannende Drama auch etwas holprig.




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