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Gegen den Strom
Gegen den Strom
© Pandora Film

Kritik: Gegen den Strom (2018)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5

Nach seinem bemerkenswerten Spielfilmdebüt "Von Pferden und Menschen" (2013) legt der 1969 geborene Isländer Benedikt Erlingsson mit "Gegen den Strom" abermals ein außergewöhnliches Werk vor, das Elemente eines Öko-Thrillers mit skurriler Komik und einer interessanten Charakterstudie verbindet. Der Regisseur, der gemeinsam mit Ólafur Egilsson auch das Drehbuch schrieb, erzählt von einer Umweltaktivistin, die durch Sabotageakte gegen die Machenschaften der Schwerindustrie in ihrem Land rebelliert. Auf etlichen Festivals wurde der tragikomische Genre-Mix äußerst positiv aufgenommen und mit diversen Preisen bedacht.

Es gelingt der Inszenierung, die Aktionen der Protagonistin Halla spannend und glaubwürdig umzusetzen – und dabei zugleich mit Brecht'schen Verfremdungseffekten zu arbeiten, die dem Ganzen das Pathos nehmen: Wenn Halla etwa zu Beginn auf der Flucht vor der Polizei ist, nachdem sie die Stromversorgung lahmgelegt hat, sind die Musiker, die den Score zu dieser dramatischen Situation liefern, plötzlich im Bild zu sehen. Auch später taucht das Trio, bestehend aus einem Tuba-, einem Akkordeon- und einem Schlagzeugspieler, immer wieder auf, ebenso wie ein folkloristischer Chor aus drei Frauen. Das Brechen von Regeln, das in der Geschichte thematisiert wird, findet somit auch auf filmischer Ebene statt. Nebenbei vermittelt das Skript, wie sich die öffentliche Wahrnehmung wandeln kann, wenn Hallas Sabotageakte durch die geschickte PR-Arbeit der lokalen Konzerne zunehmend als Extremismus und Terror aufgefasst werden.

Hauptdarstellerin Halldóra Geirharðsdóttir brilliert in ihrem Part als Halla: Es wird nachvollziehbar, dass die ökologische Aktivistin, die Gandhi und Mandela zu ihren Vorbildern zählt, aus voller Überzeugung handelt. Ihre Wandlungsfähigkeit demonstriert Geirharðsdóttir zudem, indem sie auch Hallas Zwillingsschwester Ása verkörpert, die – ebenso wie der südamerikanische Tourist Juan Camillo (Juan Camillo Roman Estrada) – schon in "Von Pferden und Menschen" auftrat.

Fazit: Eine herrliche Kombination von trockenem Humor und ernsthafter Auseinandersetzung mit einem wichtigen Thema, wunderbar gespielt von Halldóra Geirharðsdóttir in einer Doppelrolle.




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