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Kritik: Frühes Versprechen (2018)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5

Mit seinem 1960 erschienenen autobiografischen Roman "Frühes Versprechen" setzte der 1980 verstorbene französische Schriftsteller Romain Gary seiner Mutter ein Denkmal. Diese Geschichte einer ungewöhnlich innigen und für den Jungen auch anstrengenden Mutter-Sohn-Beziehung wurde bereits 1970 verfilmt. Dass sich jetzt auch der Regisseur Eric Barbier ihrer angenommen hat, stellt sich als Glücksfall heraus. In dem epischen Drama, das sich über eine Zeitspanne von rund 30 Jahren erstreckt, brilliert Charlotte Gainsbourg in der Rolle einer Mutter, die ihren Sohn zum perfekten Erfolgsmenschen und Helden formen will. Schon als Kind beschließt der Sohn, alles zu tun, um sie zufriedenzustellen – was nichts Geringeres bedeutet, als Diplomat, Schriftsteller, Kriegsheld werden zu müssen.

Heute würde man sagen, dass Nina eine erdrückend dominante Mutter war, die ihren Sohn stark unter Druck setzte. Pawel Puchalski, Nemo Schiffman und Pierre Niney spielen jeweils hervorragend den emotionalen Zwiespalt des Sohnes, der zwischen Liebe und Verantwortungsgefühl einerseits, Genervtsein und schlechtem Gewissen andererseits hin- und herschwankt. Diese Beziehung ist alles andere als optimal, aber die beiden Menschen, die sie gestalten, erreichen auf verquere Weise Großes. Wer weiß, ob Nina ihren Sohn mit ihren Briefen, mit den antreibenden Worten, die ihn im Krieg bis an die Front verfolgen, nicht das Leben gerettet hat. Denn ihr zuliebe schreibt er, klammert sich an die Hoffnung, alles durchzustehen.

Die aberwitzigen Erwartungen der Mutter bringen den Sohn öfter in Bedrängnis und in peinliche Situationen, die mit Humor geschildert werden. Komik blitzt auch in den aus dem Off vorgetragenen Worten des Ich-Erzählers im Roman auf. So heißt es, als es früh um die Wahl einer künstlerischen Laufbahn geht, der Junge sich nicht als Geigentalent erweist und seine Freude am Malen von der Mutter abgelehnt wird: "Wir begnügten uns mit Literatur."

Mit aufwändiger Ausstattung wird vor allem die Vorkriegsepoche, der Alltag im osteuropäischen Wilna, glaubhaft zum Leben erweckt. Auch wenn der Film die Schauplätze später mit seinem jungen Helden häufig wechselt, lässt er sich immer wieder genug Zeit, um die Bindung zwischen Mutter und Sohn spürbar werden zu lassen. Ihre Liebe hebt die beiden aus dem Strom der Ereignisse beinahe heraus, umgibt sie mit einem schützenden Kokon. Das Resultat ist ein bezaubernder, tief empfundener Kinofilm.

Fazit: Eric Barbiers Verfilmung des gleichnamigen autobiografischen Romans von Romain Gary erweist sich als faszinierende Geschichte einer Mutter-Sohn-Beziehung. Mit epischem Atem schildert sie das Leben einer alleinerziehenden jüdischen Frau in Wilna zwischen den Weltkriegen, die für ihren Sohn eine glänzende Zukunft in Frankreich plant. Charlotte Gainsbourg spielt diese Mutter sehr glaubhaft, die ihren Sohn so stark an sich bindet, dass er sein Leben nach ihren Zielen ausrichtet. Die zwiespältige Natur dieser Beziehung sorgt für fesselnde Spannung.




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