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Kritik: Summer of '84 (2018)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 3 / 5

Der Teen-Horrorfilm des kanadischen Regietrios François Simard, Anouk Whissell und Yoann-Karl Whissell ("Turbo Kid") ist eine Hommage an Genrefilme der 1980er Jahre und an jene Sommer, in denen die Pubertät ihr Zwitterwesen entfaltet. Davey und seine Freunde spielen Fangen, Verstecken und Detektiv. Aber sie reden auch viel und protzend über Sex und zugleich spüren sie die Angst, dass die Geborgenheit ihrer Kindertage sie nicht mehr weiterträgt.

Davey, der Hauptcharakter und Voice-Over-Erzähler, stellt die Fassade bürgerlicher Anständigkeit und Ordnung, die jedes Haus der Siedlung suggeriert, infrage. Schließlich verschwinden in der Gegend Jungen in seinem Alter spurlos. Wenn Daley sinniert, dass auch Serienkiller jemandes Nachbarn sind, etabliert der Film seinen verschmitzten Tonfall, mit dem er dem Jungen in sein gefährliches Abenteuer folgt.

Die Freundesgruppe Daveys vereint auf vergnügliche Weise so verschiedenartige Figuren wie den nerdigen Brillenträger, den gutmütigen Dicken und den stets auf coole Wirkung bedachten Sexprotz. Dass der von Davey verdächtigte Polizist so freundlich ist, meint der Film durchaus ironisch, denn seine Umgänglichkeit wirkt fast zu schön, um wahr zu sein. Der Film setzt auf Suspense, auf ein genüssliches Spiel mit Genrevorbildern durch bloße Erwähnungen, etwa wenn Davey meint, die Siedlung sei auf einem alten Indianerfriedhof erbaut – womit der Film auf "Poltergeist" von 1982 Bezug nimmt. Auf blutige Bilder mörderischen Treibens und auf schreckliche Kämpfe verzichtet die Handlung erstaunlich lange, allenfalls sieht man mittendrin mal eine Hand in der Dunkelheit nach einem Jungen auf der Straße greifen. Erst im Finale ändert sich das noch und es gibt in den teilweise schon surreal wirkenden Entdeckungen die eine oder andere manifeste Schreckensszene.

Für die Retro-Stimmung ist es wichtig, dass die vier Freunde die Gefahr nicht nur an der Person des Serienkillers festmachen, sondern auch in ihrem eigenen Zuhause wahrnehmen. Wenn Daleys Eltern ihm sagen, sie würden aufpassen, er sei daheim in Sicherheit, entlarvt der Film das Versprechen als unhaltbar. Manche seiner Freunde erleben das Unglück ihrer Eltern auf einmal schmerzlich – der Glaube an eine heile Welt ist kindisch. Manche Erfahrungen macht jede Generation wieder, andere, wie ein Leben ohne Smartphone, nicht. Es ist ganz unterhaltsam, Teenager zu sehen, die noch mit Walkie Talkies hantieren und nichts googeln.

Fazit: Eine zwischen Wehmut und Leichtigkeit pendelnde Retro-Stimmung prägt diesen unterhaltsamen Teenie-Horrorthriller des Regietrios François Simard, Anouk Whissell, Yoann-Karl Whissell. Ein Jugendlicher und seine Freunde vermuten, dass sich in ihrer gutbürgerlichen Vorstadtsiedlung ein Serienkiller versteckt und lassen sich von ihrer von Abenteuerlust und Ängsten erfüllten Fantasie beflügeln. Aus dem Kontrast pubertärer Unschuld und lauernder, abgründiger Gefahren bezieht diese Hommage an Genrefilme der 1980er Jahre eine humorvolle Spannung.




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