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Climax
Climax
© Alamode Film © Die FILMAgentinnen

Kritik: Climax (2018)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 3 / 5

Der Mensch ist ein Tier – diese These scheint Skandalregisseur Gaspar Noé ("Irreversibel") auch mit seinem neuen Film untermauern zu wollen, der von einer völlig aus dem Ruder laufenden Party erzählt. Die Protagonisten – abgesehen von Sofia Boutella fast ausschließlich dargestellt von Profitänzern ohne schauspielerische Erfahrungen – haben sich an einen abgelegenen Ort zurückgezogen, um in aller Ruhe für eine anstehende Tanz-Tournee zu proben. Abschließen wollen sie das harte Training mit einer kleinen Feier, die sich allerdings zu einem Höllentrip entwickelt. Da irgendjemand Drogen in die Sangria geschüttet hat, taumeln die Anwesenden plötzlich durch die Gegend und leben mehr und mehr unterdrückte Aggressionen und Sehnsüchte aus.

Auch wenn Bilderstürmer Noé "Climax" auf eher unkonventionelle Weise beginnt (am Anfang stehen das Ende und der Abspann), deutet zunächst wenig auf den Wahnsinn hin, der sich spätestens ab der Hälfte Bahn bricht. Packend und vibrierend sind vor allem die bestechend choreografierten Tanzsequenzen, deren Bewegungsabläufe den Zuschauer regelrecht an die Leinwand fesseln. Deutlich weniger mitreißend fällt der von einer agilen Kamera häufig ohne Schnitte eingefangene Party-Smalltalk aus, der leider einiges an Zeit verschlingt. Besonders ermüdend ist das Gespräch zweier junger Männer, die sich unentwegt in abstoßenden, misogynen Sexfantasien ergehen. Echtes Profil erhält leider keine der auftretenden Figuren, weshalb sich nach dem Einsetzen des orgiastischen Durcheinanders das Interesse an ihrem Schicksal in Grenzen hält.

Nimmt das Unheil schließlich seinen Lauf, schaltet der seit jeher experimentierfreudige Regisseur ein paar Gänge höher. Von Minute zu Minute werden die Bilder wackeliger und instabiler. Stehen zuweilen sogar auf dem Kopf. In die pulsierende Tanzmusik mischt sich zunehmend panisches Geschrei. Zuckende Lichter kreieren eine gespenstische Atmosphäre. Und immer häufiger kommt es zu gewalttätigen Eruptionen, weil die Tänzer ihre Gefühle und Impulse nicht mehr kontrollieren können. Noé mag die horrorartige Rauscherfahrung audiovisuell prägnant wiedergeben, schockt aber bei weitem nicht mit jeder Szene. Hier und da erscheint der Abstieg in die drogengeschwängerte Hölle vielmehr seltsam repetitiv.

Politische Anspielungen und eingeschobene Texttafeln gaukeln im Übrigen lediglich inhaltliche Tiefe vor. Wirklich Substanzielles hat der Film – egal, wie man es dreht und wendet – am Ende nicht zu sagen.

Fazit: Optisch und akustisch markant eingefangener Partyexzess mit starken Tanzeinlagen, der dem Betrachter allerdings auch einige nervtötende Passagen aufzwingt.




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