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Der marktgerechte Patient (2018)

Der Dokumentarfilm befasst sich kritisch mit dem ökonomischem Druck, der auf Krankenhäusern lastet.Kritiker-Film-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 5 / 5
User-Film-Bewertung [?]: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 3.0 / 5

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Seit der Einführung der Fallpauschalen zur Vergütung der Krankenhäuser 2003 hat sich die Gesundheitsversorgung der Bevölkerung alarmierend verschlechtert. Notaufnahmen sind nun personell unterbesetzt, weil sie immer defizitär arbeiten. Denn für einen Notfallpatienten gibt es nur 33 Euro Vergütung. Abteilungen aber, die nicht kostendeckend arbeiten, bekommen Personal gestrichen oder werden, wo es nur geht, geschlossen. Seit der Einführung der Fallpauschalen wurden über 50.000 Stellen beim Pflegepersonal abgebaut.

Ein Drittel der Geburtsstationen an deutschen Krankenhäusern wurde seit 2004 geschlossen, weil diese Abteilungen ebenfalls sehr kostenintensiv sind. Wenn sich große kommunale Kliniken noch eine solche Abteilung leisten, dann muss das Krankenhaus versuchen, ihre Defizite über eine andere Abteilung, die Gewinne einfährt, auszugleichen. Solche Abteilungen führen oft Operationen durch, die zwar viel Geld einbringen, aber aus gesundheitlicher Sicht nicht immer sinnvoll oder notwendig wären. Es wurden eine Reihe privater Kliniken gegründet, die sich auf den Betrieb tendenziell gewinnträchtiger Abteilungen beschränken.

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Filmkritikunterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse5 / 5

Die beiden sozial und politisch engagierten Filmemacher Leslie Franke und Herdolor Lorenz ("Water Makes Money") widmen diesen sehr aufwühlenden Dokumentarfilm den Missständen im deutschen Krankenhauswesen. Es ist bestürzend, alarmierend, aber auch erhellend, was die Experten und Leidtragenden, die sie befragt haben, berichten. Ein Aufenthalt im Krankenhaus kann für Patienten nicht nur sehr belastend, sondern regelrecht gefährlich werden, weil es zu wenig Personal gibt und für die Versorgung oft nur noch das Nötigste getan wird. Die Ursache für diese Entwicklung im Gesundheitswesen liegt in dem vor 15 Jahren eingeführten System der Fallpauschalen.

Für jede Krankheit und Behandlung gibt es demnach eine bestimmte Vergütungssumme – die Kliniken müssen bestrebt sein, die Arbeit am Patienten wirtschaftlich auszurichten. Sind beispielsweise vier Tage Liegezeit nach einer Operation vorgesehen, bürdet jeder Patient, der länger bleibt, dem Krankenhaus nur Kosten auf. Lange Wundbehandlungen bei Diabetikern werden schlechter bezahlt als Beinamputationen. Die beiden Regisseure beackern das Problem, das die Fallpauschalen und auch der politische Wunsch nach Privatisierungen im Krankenhaussektor verursacht haben, thematisch aus allen Richtungen. Vor der Kamera reden viele Ärzte Klartext, sie beklagen mit sehr konkreten Beispielen, wie sehr der ökonomische Druck ihre Arbeit bestimmt. Regelrecht erschütternd sind einige Erlebnisberichte von Patienten und Angehörigen. Da ist von Kranken die Rede, die stundenlang unbeachtet auf den Klinikgängen oder in -zimmern liegen, ein Patient kommt dabei gar zu Tode.

Aber auch die Haltung der Bundesländer, die nur noch zögerlich oder unzureichend für Instandhaltung der Krankenhäuser und ihre Investitionen aufkommen, empört. Denn so sehen sich Kliniken gezwungen, auch noch diese Posten mit dem aus den Fallpauschalen erzielten Geld zu bezahlen. Wie kurzsichtig, gar falsch eine unternehmerische Mentalität im Gesundheitswesen ist, dürfte sich spätestens dann zeigen, wenn schlecht versorgte Patienten entlassen werden und an Folgeerkrankungen oder Beeinträchtigungen leiden – aber das ist dann nicht mehr das Problem der Kliniken. Ohne Druck aus der Bevölkerung wird die Politik diese Fehlentwicklungen, die jeden Bürger irgendwann persönlich betreffen können, wohl nicht korrigieren.

Fazit: Gut recherchiert, anschaulich erklärt und gespickt mit alarmierenden Fallbeispielen: Der Dokumentarfilm von Leslie Franke und Herdolor Lorenz beleuchtet die Missstände und Fehlentwicklungen im deutschen Krankenhauswesen. Schuld daran, dass Patienten immer mehr unter wirtschaftlichen, statt medizinischen Gesichtspunkten betrachtet werden, ist das Vergütungssystem der Fallpauschalen. Die Berichte von Patienten, die den Personalmangel und die Verknappung der Behandlung zu spüren bekommen haben, sind zum Teil erschütternd.




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Land: Deutschland
Jahr: 2018
Genre: Dokumentation
Länge: 83 Minuten
FSK: 12
Kinostart: 08.11.2018
Regie: Leslie Franke, Herdolor Lorenz
Verleih: Salzgeber & Co. Medien GmbH

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