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Der marktgerechte Patient
Der marktgerechte Patient
© Salzgeber & Co. Medien GmbH

Kritik: Der marktgerechte Patient (2018)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 5 / 5

Die beiden sozial und politisch engagierten Filmemacher Leslie Franke und Herdolor Lorenz ("Water Makes Money") widmen diesen sehr aufwühlenden Dokumentarfilm den Missständen im deutschen Krankenhauswesen. Es ist bestürzend, alarmierend, aber auch erhellend, was die Experten und Leidtragenden, die sie befragt haben, berichten. Ein Aufenthalt im Krankenhaus kann für Patienten nicht nur sehr belastend, sondern regelrecht gefährlich werden, weil es zu wenig Personal gibt und für die Versorgung oft nur noch das Nötigste getan wird. Die Ursache für diese Entwicklung im Gesundheitswesen liegt in dem vor 15 Jahren eingeführten System der Fallpauschalen.

Für jede Krankheit und Behandlung gibt es demnach eine bestimmte Vergütungssumme – die Kliniken müssen bestrebt sein, die Arbeit am Patienten wirtschaftlich auszurichten. Sind beispielsweise vier Tage Liegezeit nach einer Operation vorgesehen, bürdet jeder Patient, der länger bleibt, dem Krankenhaus nur Kosten auf. Lange Wundbehandlungen bei Diabetikern werden schlechter bezahlt als Beinamputationen. Die beiden Regisseure beackern das Problem, das die Fallpauschalen und auch der politische Wunsch nach Privatisierungen im Krankenhaussektor verursacht haben, thematisch aus allen Richtungen. Vor der Kamera reden viele Ärzte Klartext, sie beklagen mit sehr konkreten Beispielen, wie sehr der ökonomische Druck ihre Arbeit bestimmt. Regelrecht erschütternd sind einige Erlebnisberichte von Patienten und Angehörigen. Da ist von Kranken die Rede, die stundenlang unbeachtet auf den Klinikgängen oder in -zimmern liegen, ein Patient kommt dabei gar zu Tode.

Aber auch die Haltung der Bundesländer, die nur noch zögerlich oder unzureichend für Instandhaltung der Krankenhäuser und ihre Investitionen aufkommen, empört. Denn so sehen sich Kliniken gezwungen, auch noch diese Posten mit dem aus den Fallpauschalen erzielten Geld zu bezahlen. Wie kurzsichtig, gar falsch eine unternehmerische Mentalität im Gesundheitswesen ist, dürfte sich spätestens dann zeigen, wenn schlecht versorgte Patienten entlassen werden und an Folgeerkrankungen oder Beeinträchtigungen leiden – aber das ist dann nicht mehr das Problem der Kliniken. Ohne Druck aus der Bevölkerung wird die Politik diese Fehlentwicklungen, die jeden Bürger irgendwann persönlich betreffen können, wohl nicht korrigieren.

Fazit: Gut recherchiert, anschaulich erklärt und gespickt mit alarmierenden Fallbeispielen: Der Dokumentarfilm von Leslie Franke und Herdolor Lorenz beleuchtet die Missstände und Fehlentwicklungen im deutschen Krankenhauswesen. Schuld daran, dass Patienten immer mehr unter wirtschaftlichen, statt medizinischen Gesichtspunkten betrachtet werden, ist das Vergütungssystem der Fallpauschalen. Die Berichte von Patienten, die den Personalmangel und die Verknappung der Behandlung zu spüren bekommen haben, sind zum Teil erschütternd.




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