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Lost Art - Josef Urbach
Lost Art - Josef Urbach
© Film Kino Text

Kritik: Lost Art - Josef Urbach (2017)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 3 / 5

Der Dokumentarfilm von Tilman Urbach beleuchtet das komplexe Thema der Raubkunst und Lost Art anhand eines konkreten Falls. Wo sind die beiden Werke "Stillleben" und "Pferdeschwemme" von Josef Urbach, die die Nazis 1937 als "entartete Kunst" aus dem Essener Folkwangmuseum entfernten? Und wo sind, so fragt sich der Filmemacher, weitere Werke seines Großonkels, wie die Porträts seiner Gönner Otto Simon und Frida Levy? Auf seiner Spurensuche spricht Tilman Urbach mit deutschen Archivaren und Kunstexperten, lernt überwiegend im Ausland lebende Nachfahren der jüdischen Familien kennen, die seinen Großonkel in jungen Jahren förderten. Er findet auf bewegende Weise heraus, wie sehr das Schicksal einiger Kunstwerke zurückverweist auf das der Menschen, die sie besaßen, schätzten und liebten.

Tilman Urbachs Suche führt unter anderem nach Belgien, Holland und Schweden, wo Großneffen und Enkel der einstigen Essener Familien Simon, Abel und Levy leben. Gemeinsam mit ihnen rekonstruiert er, so gut es geht, die Odyssee, die für ihre Angehörigen zum Teil schon 1933, spätestens aber mit der Pogromnacht 1938 begann. Otto Simons Porträt hing einst im Konferenzraum der Essener Holz- und Rahmenfabrik Döllken, die arisiert wurde. Ins Wohnhaus des Direktors Ernst Simon zog der neue Besitzer des Unternehmens. Max Abels Besitz wurde beschlagnahmt, die Staatsbürgerschaft wurde ihm entzogen. Frida Levy und Ernst Simons Bruder Otto Simon wurden Opfer des Holocaust.

Tilman Urbach folgert in seinem Voice-Over-Kommentar, dass wohl viele Werke seines Großonkels zerstört wurden. Auch die Spur der beiden als "entartet" klassifizierten Werke aus dem Folkwangmuseum verliert sich, nachdem sie in den Listen zweier von den Nazis mit dem Verkauf beauftragten Kunsthändler auftauchen. Was sich nicht verkaufen ließ, wurde verbrannt. Tilman Urbachs Recherche verläuft über zahlreiche Ecken und Umwege, fördert hier ein Detail zutage, schließt dort eine Lücke in einer Biografie. Die Suche lässt ihn zwar das eine oder andere Werk des Großonkels wieder auffinden, ergiebiger aber ist sie als geschichtliche Expedition, die den Nachfahren der Opfer und Beraubten ein Stück weit die Erinnerung und das Wissen über die eigenen Wurzeln zurückgibt.

Fazit: In seinem Dokumentarfilm forscht Tilman Urbach nach verschollenen Werken seines Großonkels, des Malers Josef Urbach, die unter die Begriffe NS-Raubkunst oder Lost Art fallen. Bei seinen detaillierten Recherchen muss er wiederholt feststellen, dass sich die Spur einzelner Werke des rheinländischen Expressionisten in den Kriegsjahren verliert. Zugleich aber lernt er die erschütternde Geschichte der jüdischen Familien in Essen kennen, die Josef Urbach förderten und für die er einige Bilder malte. So leistet der Film einen Beitrag zur Erinnerungskultur, der nicht nur für die Nachkommen Urbachs und seiner Förderer, sondern auch für die Allgemeinheit von Bedeutung ist.




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