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RBG - Ein Leben für die Gerechtigkeit
RBG - Ein Leben für die Gerechtigkeit
© Koch Media © Die FILMAgentinnen

Kritik: RBG - Ein Leben für die Gerechtigkeit (2018)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5

Der Dokumentarfilm der Regisseurinnen Betsy West und Julie Cohen porträtiert die 1933 geborene amerikanische Richterin Ruth Bader Ginsburg. Seit 1993 ist sie am Obersten Gerichtshof in Washington, dem Supreme Court, tätig. Ginsburg genießt als liberale Richterin und vor allem als Verfechterin der Frauenrechte in den USA einen legendären Ruf. Junge Menschen gaben ihr den Spitznamen "Notorious RBG" - angelehnt an den Namen des Rappers "Notorious BIG", feiern ihre juristischen Entscheidungen und Sondervoten im Internet.

Indem der Film ihr Lebenswerk aufrollt, wird er zur Geschichtsstunde, die anschaulich und spannend an die vielen Etappen auf dem Weg zur gesellschaftlichen Gleichstellung von Mann und Frau erinnert. Als Klammer dient dem Film eine Rede Ginsburgs vor dem Justizausschuss, dem sie sich 1993 als Kandidatin für den Obersten Gerichtshof vorstellte. Damals schilderte sie selbst den weiten Weg, den sie gegangen war, um Gesetzgeber und die Justiz auf die Diskriminierung der Frauen überhaupt aufmerksam zu machen. Dem Publikum wird bewusst, wie sich das Rollenverständnis seit den 1950er Jahren geändert hat – als Jurastudentinnen auf dem Campus noch misstrauisch beäugte Exotinnen waren.

Nicht nur Ginsburg selbst erzählt aus ihrem Leben, auch die Kinder, einige Weggefährten, Kollegen, die Feministin Gloria Steinem, der frühere Präsident Bill Clinton sprechen über sie. Ginsburg wird als schüchtern und zurückhaltend beschrieben, aber auch als unermüdliche Arbeiterin, die wenig schläft, die immer überlegt argumentiert und sich nicht zu negativen Gefühlsausbrüchen hinreißen lässt. Die liebevolle Ehe, die sie über ein halbes Jahrhundert führte, ist Thema vieler anrührender Erinnerungen.

Der Film blättert einige ihrer bahnbrechenden Fälle auf, die zum Teil aus den 1970er Jahren stammen, dem Publikum aber doch sehr lebendig nahegebracht werden. Denn Ginsburgs Plädoyers vor dem Obersten Gerichtshof werden in Voice-Over zitiert. Am schönsten drückt schließlich Gloria Steinem aus, wie prägend die Richterin für die Entwicklung des gesellschaftlichen Bewusstseins war und ist: Ginsburgs Tätigkeit habe ihr zum ersten Mal das Gefühl gegeben, von der Verfassung beschützt zu werden.

Fazit: Betsy West und Julie Cohen porträtieren Ruth Bader Ginsburg, die liberale Richterin am US-Supreme Court, die sich auch noch mit Mitte 80 der Verteidigung der Verfassungsrechte, insbesondere der Gleichberechtigung von Mann und Frau, widmet. Ginsburgs Werdegang und Lebenswerk führen dem Publikum vor Augen, wie sehr sich die Gesellschaft seit den 1950er Jahren verändert hat, aber auch, dass die gesetzliche Basis für die heutige Stellung der Frau in langwieriger Arbeit erkämpft werden musste. Die Porträtierte hatte daran einen wesentlichen Anteil mit bahnbrechenden Prozessen und Gerichtsurteilen. Dem Dokumentarfilm gelingt so nicht nur die Würdigung einer wichtigen Person der amerikanischen Zeitgeschichte, er erweist sich auch als eine lebhafte, erhellende Geschichtsstunde.




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