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Kritik: Adam und Evelyn (2018)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5

2008 erhielt der Dresdener Schriftsteller Ingo Schulze für seinen Roman "Adam und Evelyn" eine Nominierung für den Deutschen Buchpreis. Zuvor wurde Schulze bereits mit Auszeichnungen wie dem Alfred-Döblin-Förderpreis und dem Thüringer Literaturpreis bedacht. Inszeniert wurde "Adam und Evelyn" von Andreas Goldstein, der selbst aus der DDR stammt und an der Babelsberger Hochschule für Film und Fernsehen ausgebildet wurde. "Adam und Evelyn" ist Goldsteins Kinospielfilm-Premiere. Zuvor hatte er bereits einige Kurzfilme und Dokumentationen gedreht.

"Adam und Evelyn" bezieht seinen Reiz aus den widersprüchlichen Emotionen und Wünschen der beiden Hauptfiguren. Da ist Adam, der beruflich erfolgreich ist und am liebsten alles beim Alten belassen möchte. Der DDR steht er weit weniger kritisch gegenüber als vieler seiner Landsleute. Zudem genießt er es, in seinem Beruf von attraktiven Frauen umgeben zu sein und angehimmelt zu werden. Und dann Evelyn. Sie sieht mit der Übersiedelung in den Westen endlich ihre Chance gekommen sieht, sich zu verwirklichen. Im Westen möchte sie endlich Kunstgeschichte studieren.

Diese ambivalenten Hoffnungen und Ansichten sind es, die zwischen Adam und Evelyn immer wieder zu Streit führen – es sind kaum zu behebende Diskrepanzen, die sich durch den gesamten Film ziehen und zu weiten Teilen für die schwermütige Stimmung verantwortlich sind. Hier lohnt es sich auch, bei den Dialogen genau hinzuhören. Zwar ist "Adam und Evelyn" sicherlich kein dialogreiches Werk, dennoch lassen sich aus den oft unterschwellig eingestreuten Bemerkungen bereits die Seelenzustände der Beiden ableiten. In einer Szene am Esstisch etwa sagt Adam ganz beiläufig "Ist es nicht egal, wo man lebt?". Auf die Frage von einem West-Beamten, wie lange sie die DDR schon verlassen wollte, antwortet hingegen Evelyn etwas später im Film entschlossen und ohne lange überlegen zu müssen: "Schon immer."

Bei seiner Inszenierung und der Dramaturgie geht Goldstein karg und reduziert vor. Überraschende Twists gibt es nicht, die Handlung ist einfach, viele Szenen spielen entweder im Inneren eines Autos oder einer Wohnung und auch auf allzu emotionalisierende musikalische Untermalung verzichtet Goldstein. Stattdessen bedient er sich oft eines lakonischen, sanften Humors, der ganz wunderbar zu Gesamtatmosphäre passt – versuchen die Charaktere mit ihrer Einsilbigkeit und den zynischen Aussagen doch zumeist, ihre innere Zerrissenheit zu kaschieren.

Fazit: Das melancholische Wendedrama "Adam und Evelyn" ist ein vielschichtiges und minimalistisch inszeniertes Werk, das ganz von den widersprüchlichen Befindlichkeiten seiner Figuren lebt und daraus die meiste Spannung bezieht. Es geht um eine Generation im Ausnahmezustand, hin- und hergerissen zwischen Neubeginn und Nostalgie, zwischen Zuversicht und Verlust, zwischen West und Ost.




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