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Adam und Evelyn
Adam und Evelyn
© Neue Visionen © Alexander Schaak

TV-Tipps für Samstag (26.9.): Florian Teichtmeister reist Anna Kanis hinterher

3sat zeigt "Adam und Evelyn"

Die Tipps für Spielfilm-Fans am Samstagabend könnten unterschiedlicher nicht sein: Erst der alberne, auf einer App basierende Animationsstreifen "Angry Birds" im Vox-Hauptprogramm, dann im 3sat-Spätprogramm das melancholische Wendedrama "Adam und Evelyn".

"Angry Birds - Der Film", Vox, 20:15 Uhr Als geheimnisvolle grün Schweine auf eine Insel voller glücklicher, fluguntauglicher Vögel eindringen, müssen drei Außenseiter (gesprochen von Christoph Maria Herbst, Axel Prahl und Axel Stein) herausfinden, was die Schweine im Schilde führen.

Ob es erstrebenswert ist, die erste Verfilmung eines Handy-App-Spiels zu sein, sei dahingestellt. Aber es lohnte sich - für die finnische Produktionsgesellschaft Rovio Entertainment, welche die App 2009 erstmals herausgebracht und einen Mega-Erfolg gelandet hatte, und für Columbia Pictures, die ihr erstaunliches Budget in Höhe von 73 Millionen Dollar am Ende nicht zu bereuen brauchten - im Gegenteil. Schlussendlich ist dieser US-Animationsstreifen besser, als er jedes Recht hat zu sein.

"Angry Birds" war die erste Mobile Game-Serie, die mehr als 1 Milliarde Mal heruntergeladen wurde - und verschiedene Filmstudios witterten ein Geschäft und trugen ihre Offerten Rovio an. Diese entschieden sich für Columbia Pictures, welche die Produktion ins kanadische Vancouver verlegten und neben den Kosten auch keine Mühen scheuten - billig abgespeist wurden die Finnen nicht.

Zum Einen traten illlustre Mimen vor die Mikrophone, so unter anderem Maya Rudolph, Peter Dinklage, Josh Gad, Danny McBride, Sean Penn und Jason Sudeikis. Zum Anderen mochten Clay Kaytis und Fergal Reilly zwar Regiedebutanten sein, aber als Animationskünstler verfügten sie bereits über viel Erfahrung: Kaytis hatte unter anderem an zahlreichen Disney-Zeichentrickfilme von "Pocahontas" bis "Frozen" gearbeitet, während Reilly die Storyboards für Streifen wie "Looney Tunes" und "Hotel Transylvania" erschaffen hatte. Auch Drehbuchautor Jon Vitti verfügte über reichlich Zeichentrickerfahrung: Er hatte zum Beispiel im Fernsehen für die Serie "The Simpsons" und im Kino für "Alvin and the Chipmunks: The Squeakquel" geschrieben.

Ihnen allen gelang ein kunterbuntes und unterhaltsames Werk mit zahlreichen Popkultur-Anspielungen für die älteren Semester, das 2016 zwar nur, aber immerhin gemischte Kritiken erhielt und mit einem weltweiten Umsatz von 352 Millionen Dollar ein großer Erfolg wurde - so dass drei Jahre später sogar noch eine erfolglosere Fortsetzung folgen sollte.

Kritiker Oggs Cruz schrieb in "Rappler": "Es wirkt so, als würde der Film anerkennen, dass seine bloße Existenz schon bescheuert ist, und alles, was er nun tun kann, ist, diese Bescheuertheit anzunehmen und sich selbst als einen einzigen großen Witz zu behandeln."



"Adam und Evelyn", 3sat, 23:15 Uhr
Im Spätsommer des Jahres 1989 trennt sich eine Frau (Anna Kanis) von ihrem untreuen Mann (Florian Teichtmeister) und fährt mit Freunden in den eigentlich für das Paar geplanten Urlaub nach Ungarn. Er reist ihr nach, um sie wiederzugewinnen.

Der Spätsommer 1989 ist natürlich nicht irgendein Spätsommer, schon gar nicht in Ungarn. Die Grenze zwischen Ost und West wird durch den Rückbau der Grenzanlagen in Ungarn immer durchlässiger, und den Urlaubern aus der DDR bietet sich die Chance, aus dem kommunistischen System nach Österreich ins kapitalistische Ausland zu flienen. Ob sie aus dem Paradies fliehen oder in ein neues und ob überhaupt - diese Fragen deutete Ingo Schulze in seinem gleichnamigen Roman aus dem Jahr 2008 an und dann diese Adaption von 2018.

Regiedebutant und Drehbuchautor Andreas Goldstein verdichtet die vielschichtige Vorlage feinfühlig und geschickt, übersetzt sie episodenhaft in unwirkliche Bilder und knappe Dialoge und fängt die Stimmung jener Tage zwischen gespannter Erwartung, Orientierungslosigkeit und Sprachlosigkeit kongenial ein. Das leise deutsche Drama wartet dazu noch mit großartigen Darstellern auf.

Kritiker Dietmar Kanthak schrieb in "epd film": "Den veränderungswütigen Sommer 1989 in Deutschland inszeniert Andreas Goldstein mit komischen und anrührenden Momenten als melancholischen Abschied von der DDR."



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