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Joy in Iran
Joy in Iran
© Konzept + Dialog. Medienproduktion

Kritik: Joy in Iran (2018)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5

Der deutsche Dokumentarfilmer Walter Steffen ("Bavaria Vista Club", "Fahr ma obi am Wasser") hat drei Künstler von "Clowns ohne Grenzen Deutschland e.V." auf ihrer Tourneereise 2017 durch den Iran begleitet. Der Verein unternimmt Reisen in Krisengebiete verschiedener Länder wie Indien, Kenia, Jordanien, um belasteten Menschen Momente des Glücks und der seelischen Erholung zu schenken. Susie Wimmer, die 2. Vorsitzende des Vereins, tritt im Iran nicht nur als rotnasige Clownsfrau vor Straßenkindern und afghanischen Flüchtlingen auf, sondern hält auch einen Workshop für junge Iraner, die ihrem Beispiel folgen wollen. Sie sieht den Sinn ihrer Arbeit darin, positive Energien zu wecken, die in jedem Menschen vorhanden sind und seine Widerstandskraft stärken.

Die Auftritte im Iran sind an Regeln gebunden, die Susie Wimmer und ihre Kollegen genau befolgen. Die beiden Frauen müssen Kopftuch tragen und verhüllende Kleidung. Weil sich Männer und Frauen in der Öffentlichkeit nicht berühren dürfen, gibt es auch auf der Bühne keinen Körperkontakt zwischen den weiblichen Clowns und Andreas Schock. Und wenn sich die Clowns nach der Show von Publikum umringt sehen, achten sie weiter darauf, dass sie nur Menschen gleichen Geschlechts die Hand geben oder sie herzlich umarmen. In einer Klinik treten die Clowns an die Gitterbetten der Patienten und probieren einen Dialog mit einfachen Requisiten wie einem grünen Ball. Andreas Schock spielt bei den Shows oft auf seiner lustig winzigen Ukulele. Reza, der Tourguide, der zum Clown aufsteigt, hat nach eigener Aussage gelernt, vor dem Leid um ihn herum nicht mehr zu verzagen, sondern eine optimistische Haltung einzunehmen. Wenn ein junger autistischer Mann in einem Flüchtlingscamp den Clowns begeisternd winkend ein Stück nachläuft, als habe er gute Freunde gefunden, teilt sich den Zuschauern wie so oft in diesem Film die überaus positive Wirkung dieser Besuche mit.

Die Impressionen aus dem Iran sind vielfältig, sie reichen vom Trubel der Großstädte bis zu den armseligen Lehmhäusern in Flüchtlingscamps. Susie Wimmer, die schon öfter im Iran war, sagt, dass sie überall Anzeichen erkennt, wie vor allem Frauen die restriktiven Vorschriften lockern. Sie blickt zuversichtlich in die Zukunft dieser Gesellschaft. Die Filmmusik, die zum Teil auf orientalischen Instrumenten gespielt wird, gibt ihr mit ihrer Unbeschwertheit recht.

Fazit: Der Dokumentarfilm von Walter Steffen beobachtet eine Tournee dreier deutscher Künstler von "Clowns ohne Grenzen" durch den Iran. Die Spaßmacher mit den roten Nasen überraschen ihr vor allem aus Kindern in Krankenhäusern, sozialen Einrichtungen oder Flüchtlingscamps bestehendes Publikum mit einem gutgelaunten Programm. Sie wollen leidgeprüfte Menschen wieder mit ihrer Fähigkeit, sich zu freuen, in Verbindung zu bringen. Der Film, der auch Impressionen aus einem Land im Wandel bietet, führt auf unaufdringliche Art den Beweis, wie der Humor Brücken schlagen und positive Kräfte freisetzen kann.




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