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Kritik: Yuli (2018)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 3 / 5

Wie bei jedem guten Film gehen in "Yuli" Form und Inhalt Hand in Hand. Nacho Ruiz Capillas geschmeidige Montage fügt die Figuren, die Alex Cataláns dynamische, vorwärts und seitwärts schwebende Kamera durch die Straßen verfolgt, im "Gran Teatro de La Habana" zusammen. Paul Lavertys Drehbuch, das auf Carlos Acostas Autobiografie aufbaut, gleitet zwischen den Erzählebenen hin und her. Acostas schwerelose Choreografien dienen als visuelle Brücken zwischen Vergangenheit und Gegenwart.

Regisseurin Icíar Bollaín erzählt Acostas Lebensgeschichte als lange Rückblende. Während der Proben zu einem Ballett über seinen Werdegang steigt die Handlung tief in die Erinnerung der Hauptfigur. Nicht alles, was wir sähen, habe sich tatsächlich so abgespielt, teilt Acosta seiner Compagnie und uns Zuschauern mit. Je mehr Zeit verstreicht, desto häufiger kehrt die Geschichte in die filmische Gegenwart zurück, schaut den Proben zu, verkürzt und beschleunigt die Rückblicke.

"Yuli" ist eine visuell berauschende Verschränkung von Spielfilm und Tanz, die dramatische Ereignisse aus Acostas Kindheit ausspart und in dessen Bühnenstück in pure Bewegung überführt. Ein elegant inszeniertes Drama, aber nicht mit letzter Konsequenz erzählt. So viel Zeit sich Bollaín für die Schelmenjahre des von Edlison Manuel Olbera Núñez mit störrischem Blick und Schlitzohrigkeit gespielten Acosta nimmt, so gehetzt wirkt das Ende. Acostas größte Erfolge blitzen lediglich als Erinnerungsfetzen auf, als habe die Filmemacherin alle noch offenen Lebenstationen in den letzten Akt quetschen wollen. Das ist auch für Keyvin Martínez, der Acosta als jungen Mann verkörpert, zu viel. Die innere Zerrissenheit zwischen Ruhm und Heimatliebe verkörpert er nicht glaubhaft genug. Ihm wie dem Spannungsbogen insgesamt fehlt es ein wenig an Intensität.

Fazit: "Yuli" ist eine elegante Mischung aus Biopic und Tanz. Regisseurin Icíar Bollaín gelingt es jedoch nicht, die Spannung bis zum Schluss aufrechtzuerhalten und die Konflikte und innere Zerrissenheit in Carlos Acostas Leben mit letzter Konsequenz nachvollziehbar zu machen.




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