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Kritik: Killing God - Liebe deinen Nächsten (2017)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 3 / 5

Die beiden katalanischen Regisseure Caye Casas und Albert Pintó haben sich für ihr Kinospielfilmdebüt eine ausgesprochen schwarzhumorige Geschichte ausgedacht. Die Idee, eine Gruppe wählen zu lassen, welche beiden Personen das Ende der Menschheit überleben sollten, basiert auf einem Gedankenspiel, das sie einmal in feuchtfröhlicher Runde veranstalteten. An der festlichen Silvestertafel in einem einsamen Landhaus geht gerade eine Ehe in die Brüche. Doch es kommt noch schlimmer, denn der Überraschungsgast, der sich Gott nennt und wie ein Obdachloser aussieht, verkündet das Ende der Menschheit.

Carlos, seine Frau, sein Vater und sein Bruder müssen die beiden einzigen Überlebenden auswählen. Der Vater hat schlechte Karten, Ana aber auch, weil Carlos sie nicht mehr will, Santi ist depressiv und wie soll er ohne Frau überhaupt für den Fortbestand der Menschheit sorgen? Der angebliche Gott hat den Vier bereits einen kleinen Beweis seiner Macht geliefert, doch das Quartett ist eher geneigt, in ihm den Penner zu sehen. Dieser Gott benimmt sich nämlich überhaupt nicht gütig, aber auch nicht zornig-strafend, vielmehr wirkt er zynisch und desinteressiert. Dass Gott ein solches Gesicht haben könnte, provoziert und irritiert auch aus Zuschauersicht.

Keine der Figuren ist wirklich sympathisch. Spaß macht allerdings die Verwandlung Anas in eine wild entschlossene Person. Ein wenig erinnert die Geschichte mit ihrem bitterbösen Humor an den argentinischen Episodenfilm "Wild Tales". Der Titel verrät bereits, dass die Handlung noch ziemlich gewalttätig werden könnte. Passend dazu nimmt die Kamera nicht nur den ausgestopften Wildschweinkopf jäh ins Visier, der wie viele weitere Jagdtrophäen an der Wand hängt, sondern wenig später auch ein großes Küchenmesser.

Die Einrichtung des Landhauses spielt eine zentrale Rolle für die skurril-makabre Filmatmosphäre. Da hängen ganz viele alte Gemälde mit christlichen Motiven wie dem letzten Abendmahl zwischen den Tierköpfen. Weihnachtliche Lichtergirlanden blinken gegen den düsteren Eindruck an. Eine weitere stilistische Besonderheit ist die Musikbegleitung mit ihren menschlichen Lauten, die eher von Dschungelwesen zu kommen scheinen. Das Rätselraten um den merkwürdigen Gott und der surreale Einschlag lassen dieses Kammerspiel einigermaßen spannend bleiben, aber es schwingt sich nicht zum Höhenflug auf, sondern erweist sich hauptsächlich als etwas versponnen.

Fazit: In der schwarzhumorigen spanischen Komödie platzt ein Fremder, der sich Gott nennt, aber wie ein Obdachloser aussieht, in eine Silvesterparty im Familienkreis. Er verkündet den vier Anwesenden das morgige Ende der Menschheit, das nur zwei noch zu bestimmende Personen überleben. Der surreale Einschlag und eine unheilig-morbide Grundstimmung, die nichts Gutes verheißt, verleihen dem Kammerspiel in dem urigen Landhaus eine hübsche Rätselhaftigkeit. Doch die geschürten Erwartungen werden dann nur teilweise erfüllt.




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