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Kritik: Unzertrennlich (2018)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5

"Unzertrennlich" ist das Spielfilmdebüt der aus Kassel stammenden Filmemacherin und Drehbuchautorin Frauke Lodders. Lodders beendete 2015 ihr Studium der Visuellen Kommunikation (Schwerpunkt: Film und Fernsehen) in Kassel mit dem Film "Morpheus". Gefördert wurde diese Abschlussarbeit von der Hessischen Filmförderung, ebenso wie ein Kurzfilm, den sie während ihres Studiums realisierte. "Unzertrennlich" wurde für den Hessischen Filmpreis nominiert.

Einfühlsam und mit viel Gespür für die leisen Zwischentöne sowie die Stimmungen innerhalb der Familien, beobachtet Regie-Debütantin Lodders das Leben der Porträtierten. Da gibt es zum Beispiel Svea, deren Bruder an Krebs erkrankt ist. Sie berichtet davon wie es sich anfühlt, ein Leben im "Schatten" eines Bruders zu führen, der stets mehr Fürsorge und die Zeit der Eltern benötigt als sie selbst. Und sie erzählt, wie dieser Umstand das Verhältnis zum Bruder sowie die Atmosphäre innerhalb der Familie beeinflusste. Gut ist, dass Lodders auch die Eltern zu Wort kommen lässt, die ganz freimütig zugeben, dass sie sich selbst vielleicht nicht immer korrekt verhalten haben. Etwa als Svea schwer grippeerkrankt selbst Unterstützung und ihre Hilfe benötigt hätte – die Eltern aber an der Seite des Bruders im Krankenhaus weilten.

Dann gibt es da zum Beispiel noch Eyman, deren Schwester unter einer Trisomie leidet. Es ist hoch interessant, durch "Unzertrennlich" Einblicke in den Alltag der Familie zu erhalten. Einer Familie, deren Leben ganz im Zeichen der Bedürfnisse und des benötigten Halts des chronisch kranken Familienmitglieds steht – ebenso wie es bei den anderen Familien der Fall ist, die Lodders mit viel Geduld und geschickter Beobachtungsgabe begleitet. Ob beim Spazierengehen mit den Pferden, Spielen, in der Küche und bei Alltagsbeschäftigungen oder beim Sport.

Einen der schönsten Sätze im Film sagt ein Jugendlicher, der – auf die Frage ob er je im Schatten seiner kranken Schwester stand – entgegnet, dass dies nie der Fall gewesen sei. "Vielmehr wurde ich von ihr angestrahlt", ergänzt er und beweist die Reife und die Fähigkeit zur Reflexion, die viele Kinder und Jugendliche an den Tag legen, deren Schwestern und Brüder ein solch schweres Schicksal durchleiden müssen oder mussten.

Fazit: Bewegende und mit einem hohem Maß Feingefühl realisierter, zutiefst menschlicher Film über starke, bewundernswerte Familien.




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