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Das letzte Mahl (2018)

Politisches Kammerspiel: deutsches Drama über eine jüdische Familie am Tag der Machtergreifung.Kritiker-Film-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 3 / 5
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Als sich die Berliner Familie Glickstein am 30. Januar 1933 beim Unternehmer Aaron (Bruno Eyron) und seiner Frau Rebekka (Sharon Brauner) zum Abendessen trifft, ahnt keiner, welche Folgen Adolf Hitlers Ernennung zum Reichskanzler haben wird. Während Aarons Eltern Jakob (Michael Degen) und Ruth (Daphna Rosenthal) die Nationalsozialisten als Schreihälse abtun, warnt seine kommunistische Schwester Sarah (Sandra von Ruffin) lautstark, der befreundete Rabbi Benjamin (Bela B. Felsenheimer) besonnen vor den möglichen Konsequenzen der Wahl. Wieder andere denken ans Auswandern. Aarons Bruder Daniel (Adrian Topol) und dessen Freundin Monika (Judith Hoersch) wollen in die USA, Aarons 19-jährige Tochter Leah (Mira Elisa Goeres) nach Palästina. Deren jüngerer Bruder Michael (Patrick Mölleken) ist hingegen glühender Anhänger Hitlers und will nichts sehnlicher als zum angekündigten Fackelzug durch die Hauptstadt.

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Das letzte MahlDas letzte Mahl - Florian FrerichDas letzte Mahl - Die Familie Glickstein beim Tischgebet


Filmkritikunterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse3 / 5

Starttermin und Titel sind bewusst gewählt. "Das letzte Mahl" läuft bereits einen Tag früher als üblich, am 30. Januar, in den Kinos an; an jenem Datum also, an dem die Nationalsozialisten 1933 die Macht ergriffen haben. Regisseur Florian Frerichs wirft in seinem Langfilmdebüt ein Schlaglicht auf einen entscheidenden Moment deutscher Geschichte, der bis heute nachwirkt. Der Blick zurück ist zugleich einer ins Hier und Jetzt und einer nach vorn.

Frerichs und sein Kodrehbuchautor Stephan Warnatsch haben das Schicksal einer jüdischen Familie zu einem politischen Kammerspiel verdichtet. Ohne es zu wissen, kommen deren Mitglieder für ihr gemeinsames Mahl auch ein letztes Mal zusammen. Jede der Figuren steht exemplarisch für eine andere Position. Die ideologischen Fronten sind verhärtet. Diese historische Versuchsanordnung mit Anklängen ans letzte Abendmahl ist gewagt, lässt sie ihre (Über-)Konstruiertheit doch jederzeit erkennen. Dennoch gelingen Frerichs und Warnatsch durch ihre spitzen Dialoge kluge Bezüge zu unserer Gegenwart – von Donald Trump bis zur AfD.

Die Kapitel des Dramas folgen der Speisenfolge. Scheint die Welt bei der klaren Hühnerbrühe mit Wurzelgemüse noch in Ordnung, liegt sie nach der roten Grütze mit Vanillesauce in Trümmern. Frerichs inszeniert all das sehr dicht und mit einem guten Gespür für sein Ensemble. Das ist umso erstaunlicher, als der Film völlig ohne Förderung finanziert wurde. Auch wenn nicht jeder auf dem gleichen Niveau agiert (Sandra von Ruffin und Bela B. Felsenheimer etwa sagen ihre Zeilen zuweilen mehr auf, als zu spielen) und der Film mitunter ein wenig zu sehr einem Theaterstück gleicht, gelingt Frerichs ein vielversprechendes Debüt.

Ruhig und besonnen, ohne erhobenen Zeigefinger erinnert "Das letzte Mahl" sein Publikum daran, sich nicht blind auf 70 Jahre Demokratie zu verlassen, im politischen Diskurs genau hinzuschauen und hinzuhören und geistige Brandstifter nicht leichtfertig als "Trommler", "Schreihälse" und "Witzfiguren" abzutun.

Fazit: "Das letzte Mahl" ist ein dicht inszeniertes, politisches Kammerspiel, das in die deutsche Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft blickt. Florian Frerichs Langfilmdebüt ist nicht rundum gelungen, dennoch ein wichtiges, mahnendes Drama.




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Land: Deutschland
Jahr: 2018
Genre: Drama, Historie
Länge: 80 Minuten
Kinostart: 30.01.2019
Regie: Florian Frerichs
Darsteller: Bruno Eyron, Sharon Brauner, Michael Degen
Verleih: Apollo-Film

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