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Das Entschwinden
Das Entschwinden
© Cine Global Filmverleih

Kritik: Das Entschwinden (2017)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 5 / 5

Die holländisch-norwegische Koproduktion wurde von Boudewijn Koole inszeniert. Der Niederländer ist nicht nur als Regisseur sondern auch als Drehbuchautor und Produzent tätig. Er produzierte bisher vor allem Kurzfilme und Dokumentationen. Der in Norwegen gedrehte Film "Das Entschwinden" erlebte seine internationale Weltpremiere auf dem Toronto Filmfest. Im Anschluss wurde er auf vielen weiteren Filmfestspielen gezeigt, unter anderem auf dem belgischen Ostend Film Festival und dem Kolkata International Film Festival in Indien.

"Das Entschwinden" zählt zu den feinfühligsten und nachdrücklichsten (Familien-)Dramen der jüngeren Zeit. Nicht zuletzt auch deshalb, weil Regisseur Koole seinen komplexen Figuren mit Respekt begegnet und ihre Charakterzüge sowie Verhaltensweisen mit Hilfe kluger Beobachtungen und in flüchtigen Momenten (die vom Zuschauer Aufmerksamkeit und genaues Hinsehen einfordern) nach außen kehrt. So zeigt sich die Reserviertheit und das verschlossene, fast frostige Wesen der Mutter unter anderem in den Momenten, in denen sie einfach nur schweigend und scheinbar emotionslos am Fenster steht und nach Draußen starrt. Sie beobachtet u.a. Roos beim Spielen mit dem Halbbruder oder beim Spaziergang mit Johnny.

Eine andere, ganz kurze Einstellung rückt die Socken von Roos in den Blick. Darauf ist ein Klaviermuster zu sehen. Ein zwar flüchtiger aber dennoch deutlicher Verweis darauf, wie groß der Einfluss der Mutter, dieser einst so erfolgreichen Pianistin, eben doch war. Auf Roos‘ Leben, Wesen, ihre Talente und Leidenschaften (Roos spielte einst selbst Klavier). Apropos Klavier: Die zarten, stimmungsvollen Piano-Klänge erweisen sich in ihrer Sanftheit und Melancholie als genau passend für einen Film, der von brüchigen Beziehungen und von verletzten Gefühlen erzählt. Nur einmal kurz deutet sich in einem Gespräch zwischen Mutter und Tochter an, wieso es zum Bruch gekommen ist und Louise sich innerlich so zurückgezogen hat.

Wunderbar sind zudem die prächtigen Naturaufnahmen der malerischen norwegischen Schneelandschaften, die gewissermaßen als eigener Hauptdarsteller im Film auftreten. Und Mut beweist Koole darüber hinaus mit seiner Entscheidung, in durchaus freizügigen, sinnlichen Liebesszenen das fragile Seelenleben von Roos und Johnny offenzulegen.

Fazit: Einfühlsames und feinsinniges Drama über eine komplizierte Mutter-Tochter-Beziehung, das Abschied nehmen und die Last verdrängter Gefühle. Garniert mit erhabenen Landschaftsbildern und sanftmütiger Filmmusik.




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