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Auch Leben ist eine Kunst - Max Emden
Auch Leben ist eine Kunst - Max Emden
© Real Fiction

Kritik: Auch Leben ist eine Kunst - Der Fall Max Emden (2018)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 3 / 5

Der Dokumentarfilm von Eva Gerberding und André Schäfer begibt sich in Hamburg und der Schweiz auf die Spuren des 1940 verstorbenen Unternehmers und Kunstsammlers Max Emden. Nachdem er in den 1920er Jahren von Hamburg aus den größten europäischen Konzern von Warenhäusern aufgebaut hatte, widmete sich Emden ab 1928 am Schweizer Lago Maggiore auch vermehrt den schönen Seiten des Lebens. Im alten Hafen von Ascona am Fuße des durch Künstler und Freigeister berühmt gewordenen Monte Verità ließ er den Spruch "Auch Leben ist eine Kunst" anbringen. In Begleitung von Emdens Enkel Juan Carlos fragt der Film nach, was aus dem einstigen Besitz der Familie wurde.

Max Emden ist auf alten Familienfotos am Lago Maggiore zu sehen, braungebrannt, umringt von jungen Frauen. Er sympathisierte mit der Freikörper- und Alternativkultur des Monte Verità. Vom Leben des in Chile aufgewachsenen Enkels ist diese verschwundene Epoche sehr weit weg, geblieben ist ihm aber der Stolz auf diesen erfolgreichen, dem Fortschritt und den schönen Dingen zugewandten Mann. Die Stadt Hamburg verweigert dem Enkel schon seit Jahren ein Gespräch, beispielsweise über zwangsverkaufte Grundstücke wie das Gelände des Poloclubs.

Dafür kommen unter anderem Provenienzforscher, Biografen und ein Anwalt der Familie Emden zu Wort. Die beiden Canalettos, die die Familie zurückfordert, befinden sich zum Zeitpunkt des Drehs in zwei deutschen Museen. Monets Gemälde mit den Mohnblumen gehört zur Sammlung Bührle in der Schweiz. Die Stiftung wies eine Interviewanfrage der Regisseure mit der zynischen Begründung zurück, dass die Familie Emden "Krieg und Verfolgung bekanntlich unter sehr komfortablen Bedingungen entging". Bührle kam als Waffenproduzent und -exporteur für die Nazis zu großem Reichtum.

Dennoch kommt, wovon der Film nicht mehr berichten konnte, nun zum Teil Bewegung in die Sache: Die Limbach-Kommission hat der Bundesregierung die Rückgabe der beiden Canalettos an die Familie Emden empfohlen. Auch wenn dieser Film manchmal recht kompliziert und unübersichtlich strukturiert wirkt, ist er wichtig. Und zwar nicht nur wegen der Frage der Restitution von Kunst, sondern auch, weil er eine Geschichte von Erfolg und Niedergang erzählt, die eng mit Hamburg verbunden ist.

Fazit: Der Dokumentarfilm von Eva Gerberding und André Schäfer zeigt am Beispiel der Familie Max Emden, wie schwer es Nachkommen der in der NS-Zeit als Juden um ihren Besitz gebrachten Bürger gemacht wird, Entschädigungen und Restitutionsansprüche durchzusetzen. Zugleich bewahrt er eine eng mit der Stadt Hamburg verbundene deutsche Erfolgsgeschichte der 1920er Jahre und ihren erzwungenen Niedergang vor der Vergessenheit. Max Emden baute den größten europäischen Warenhauskonzern auf und betätigte sich als Mäzen und Kunstsammler. Der Film legt überzeugend dar, wie wichtig eine Provenienzforschung, die viel mehr als nur das Gebiet der Malerei umfasst, für die Allgemeinheit ist.




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