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Kritik: Stiller Kamerad (2018)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5

Eine Soldatin und zwei Soldaten der Bundeswehr stehen im Zentrum des Films. Sie werden von Regisseur Leonhard Hollmann bei der Pferdetherapie mit der Kamera begleitet. Als stiller Beobachter der Geschehnisse ermöglicht er dem Zuschauer auf diese Weise einen direkten Zugang zu dieser außergewöhnlichen Form der Traumatherapie. Hollmann arbeitet neben seinem Schaffen als Filmemacher auch noch als Produzent. In den vergangenen Jahren verantwortete er vor allem Kurzdokus und -spielfilme. "Stiller Kamerad" ist seine erste Kinoproduktion.

Leonhard Hollmanns behutsam inszenierter, akkurat beobachteter Film beginnt mit einer Szene direkt aus der Hölle. Sie spielt irgendwo in Afghanistan. Wir sehen verwackelte Bilder eines Fahrzeugkonvois. Die Aufnahmen entstammen der Bordkamera eines der Geländewagen, die die Einöde des afghanischen Hinterlands durchqueren. Dann, ein lauter Knall. Die Fahrt wird durch eine heftige Explosion jäh unterbrochen. Wenige Augenblicke später befindet sich der Zuschauer bei Claudia Swierczek und ihren Patienten auf der Koppel. Im Freien bei Mensch und Tier.

Man sieht die ausgebildete systemische Familientherapeutin, wie sie sich mit gezielten, überlegten Fragen dem fragilen Innenleben ihrer Patienten nähert. Ihnen kleine Aufgaben stellt, sie mit den Tieren umher laufen lässt und die Reaktionen der empfindsamen Wesen auf die Gemütsverfassung der Patienten genau analysiert. Die Atmosphäre ist entspannt, gelöst, fast friedlich – und der Kontrast zu den gefährlichen, dramatischen Ereignissen und Szenen vom Anfang könnte damit größer kaum sein.

Hollmanns Blick auf die Arbeit der Therapeutin und die unterschiedlichen, porträtierten Charaktere ist ein sehr persönlicher und ausführlicher. Zum einen befragt er die Beteiligten unter anderem nach ihren Erfahrungen mit der Therapie, dem Unterschied zu anderen psychotherapeutischen Ansätzen und den traumatischen Erlebnissen im Kriegsgebiet. Dadurch kommt man den Porträtierten und ihrem Schicksal näher. Andererseits aber lässt er immer wieder für viele Minuten einfach nur die Bilder für sich sprechen. Als stiller Beobachter fängt er mit der Kamera – ohne Off-Kommentierung und mit wenigen Schnitten – intime Momente der therapeutischen Arbeit ein und wird so ganz unmittelbar Zeuge, wie die Patienten allmählich wieder mehr Selbstvertrauen und Zuversicht bekommen.

Fazit: Offenherzige, mit viel Feingefühl und beachtenswerter Beobachtungsgabe realisierter Film über traumatisierte Soldaten auf ihrem Weg zu Heilung durch pferdegestützte Traumatherapie.




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